Kultur

Senckenberg-Ausstellung in Frankfurt zeigt vergessene Forscherinnen mit KI-Porträts

Senckenberg-Ausstellung in Frankfurt zeigt vergessene Forscherinnen mit KI-Porträts

Senckenberg – das ist nicht nur das beliebte Naturmuseum in Frankfurt, sondern auch eine Forschungseinrichtung mit über 200-jähriger Geschichte. Wie sehr die Arbeit hier von Frauen geprägt worden ist, das zeigt jetzt eine neue Ausstellung – auch mit Hilfe von KI.

Eine Frau im Schreibtisch vermisst mit einer Schieblehre ein Schneckenhaus


Mit KI zum Leben erweckt: Die Herrin der Schnecken, Maria Schilder.
Bild © Gesine Born (Bilderinstitut), KI-generiert


Eine Frau im grauen Kittel sitzt mit hochgesteckten Haaren am Schreibtisch und hält ein Schneckenhaus in der Hand. Gerade ist sie dabei, mit einer Schieblehre dessen Umfang zu messen und auf einer Karte zu notieren. Vor ihr warten Dutzende weitere Schneckenhäuser auf die wissenschaftlich präzise Erfassung.

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04:02 Min.
|Christoph Scheffer

Bild © hessenschau.de|
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Diese Szene zeigt die Naturforscherin Maria Schilder, die in den 1950er Jahren auf der Insel Hiddensee zehntausende Schnecken sammelte, katalogisierte und in Zigarettenschachteln sammelte. Es ist eine bedeutende Sammlung mit einer Vielzahl neu entdeckter Arten, die bis heute im Senckenberg Forschungsinstitut aufbewahrt wird.

Das Bild der Wissenschaftlerin ist mit Künstlicher Intelligenz generiert. Die Berliner Fotografin Gesine Born hat die Szene am Schreibtisch nachgestellt und das Gesicht der Forscherin hineinmontiert, von der nur ein verwaschenes Schwarzweiß-Foto existierte. Elf Portraits von Protagonistinnen der Naturforschung aus dem 17. bis 20. Jahrhundert hat Gesine Born auf diese Weise geschaffen.

Eine Frau vor dem KI-generierten Bild einer Wissenschaftlerin


Fotografin Gesine Born will Forscherinnen sichtbar machen.
Bild © Christoph Scheffer


„Die Männer zu der damaligen Zeit wurden sehr professionell in Malerei oder Fotografie porträtiert“, sagt Born. „Den Frauen wurde nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die visuelle Ehrung vorenthalten.“

Diese Lücke will Senckenberg jetzt schließen. Die Biographien vergessener Forscherinnen werden in einem Projekt untersucht.

„Visuelle Ehrung“

Die neue Ausstellung „Secret Service: Frauen in der Naturforschung“ zeigt ihre Arbeit anhand von Zeichnungen, Fotos und Präparaten – vor allem aber mit KI-generierten Portraits. „Mit KI zu arbeiten, das war keine leichte Entscheidung“, räumt Luisa Kapp ein, die als erste Historikerin bei Senckenberg die Biographien der Forscherinnen ausgegraben hat.

„Der Knackpunkt für mich war, dass wir von ganz vielen Frauen keine repräsentativen Bilder hatten“, sagt die Historikerin. „Und da junge Menschen sehr viel auf visueller Ebene wahrnehmen, war es einfach nötig, Bildmaterial zu schaffen.“ Gemeinsam mit der Fotografin Gesine Born wählte Luisa Kapp in die jeweilige Zeit passende Hintergründe, Kleidungsstücke und Objekte aus.

Eine Frau am Schreibtisch mit einem Gehirn-Präparat in den Händen


Pionierin der Paläoneurologie: Tilly Edinger
Bild © Gesine Born (Bilderinstitut), KI-generiert


„Das war Detektivarbeit“

Zunächst aber mussten die Biographien der Forscherinnen recherchiert werden. Rund hundert Namen von Frauen bei Senckenberg waren zwar bekannt, ihre konkrete Tätigkeit lag jedoch oft im Verborgenen. „Das war Detektivarbeit“, sagt Kapp. Ein Zettel, ein Name auf einer Liste, eine Erwähnung in einer Danksagung – oft waren es nur solche Hinweise, mit denen sie ihre Recherche startete.

Die Arbeiten von Elisabeth Schultz lagen immerhin im Archiv von Senckenberg – über 1000 Gouachen mit Pflanzenmotiven aus dem 19. Jahrhundert. Lange Zeit waren die Bilder nur als hübsche Blumenmalerei wahrgenommen worden. Tatsächlich aber war Elisabeth Schultz auch Botanikerin und hatte die Pflanzenwelt der Region Frankfurt wissenschaftlich präzise dargestellt.

„Ein großer Schatz“

„Das ist heutzutage ein sehr großer Schatz“, sagt Kuratorin Maike Schlegel. „Einige von diesen Pflanzen gibt es gar nicht mehr hier in der Region. Dieses historische Werk hat jetzt für uns eine große Bedeutung, wenn wir an Klimafolgen und Veränderung der Biodiversität denken.“

Eine junge Frau vor dem Hintergrund einer im Krieg zerstörten Halle


Bewahrte das Erbe von Senckenberg: Margot Perl
Bild © Gesine Born (Bilderinstitut), KI-generiert


Nicht alle der in der Ausstellung portraitierten Frauen sind Wissenschaftlerinnen im engeren Sinne. Margot Perl, Jahrgang 1923, zum Beispiel hatte als 16-Jährige bei Senckenberg eine Ausbildung als Laborantin begonnen.

Sammlung im Zweiten Weltkrieg bewahrt

Während des Zweiten Weltkriegs war Perl es, die die Evakuierung der Museumssammlung in die Wetterau organisierte, erzählt Luisa Kapp: „Dort lebte sie mit der Sammlung und machte den wissenschaftlichen Betrieb weiterhin möglich. Wurde ein Objekt in Frankfurt benötigt, suchte Margot Perl es heraus und sicherte den Transport nach Frankfurt.“

In der Ausstellung ist auch von Margot Perl ein KI-generiertes Portrait zu sehen. Die junge Frau scheint in den Trümmern des im Krieg zerstörten Lichthofs zu stehen – dort, wo heute die Dinosaurier-Skelette zu besichtigen sind. So wird auch Margot Perls Beitrag zur Rettung des wissenschaftlichen Erbes von Senckenberg gewürdigt.

Weitere Informationen

Sonderausstellung „Secret Service: Frauen in der Naturforschung“

25. September bis 31. Oktober 2027 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Senckenberganlage 25.
Tickets 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Mehr zum Forschungsprojekt gibt es hier.

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/senckenberg-ausstellung-in-frankfurt-zeigt-vergessene-forscherinnen-mit-ki-portraets-v1,secret-service-frauen-naturforschung-104.html

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