Kultur

Cornelia Funke, Caroline Wahl, Jaroslav Rudiš: Darüber diskutierte die Buchmesse am Freitag

Cornelia Funke, Caroline Wahl, Jaroslav Rudiš: Darüber diskutierte die Buchmesse am Freitag

Am Freitag haben auf der Frankfurter Buchmesse die Besuchertage begonnen. Für alle, die keinen Besuch geplant haben: Die Gespräche auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat können Sie täglich live bei uns verfolgen. Eine Auswahl der Highlights vom Freitag.

Wenn Sie die Diskussionen über aktuelle literarische, aber auch gesellschaftlich-politische Themen bequem vom Sessel aus verfolgen wollen: Hier geht es zum Livestream der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat.

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Frankfurter Buchmesse: Livestream von der ARD-Bühne

Frankfurter Buchmesse 2026: Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat

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00:39 Min.
|Lars Hofmann

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Auf der ARD-Bühne [PDF – 326kb] haben unter anderem die Autorinnen und Autoren Caroline Wahl, Max Czollek,Jaroslav Rudiš und Cornelia Funke ihre Neuveröffentlichungen vorgestellt. Wichtige Diskussionsbeiträge lieferten unter anderen der doppelte Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead, die tschechische Autorin Radka Denemarková und die Dichterin Dichterin Yaryna Chornohuz.

Das Bild zeigt einen Mann in schwarzer Kleidung und schwarz gerahmter Brille, der auf einer Bühne sitzt und in ein Mikrofon spricht. Ihm gegenüber sitzt eine Frau mit dunklem Pferdeschwanz, die ebenfalls ein Mikrofon hält.


Jaroslav Rudiš im Gespräch mit Tilla Fuchs.
Bild © Carolin Glomp (hr)


In den Tag startete die ARD-Bühne mit einem Autoren, der auf allen Bühnen der Buchmesse gleichzeitig präsent zu sein scheint: Jaroslav Rudiš ist der Star des tschechischen Gastlandauftritts. Er sprach über den morbiden Humor seines neuen Romans „Wo die Toten sprechen“. Er sei ein Friedhofsgänger, bekannte Rudiš, und beobachte die Menschen dort. „Manchmal ist auf dem Friedhof mehr Leben als im Wirtshaus.“

Wie die Helden seiner wilden Road Novel habe auch er schon das eine oder andere Bier am Grab toter Dichter wie Bohuimil Hrabal getrunken. „Das ist die größte Ehre für mich.“ Doch bei allem grotesken Humor ist dies auch ein ernstes Buch: Der „graue Schnee der Toten“ fällt darin auf die mitteleuropäische Landschaft – ein Symbol für den Holocaust und die „Menschen, die kein Grab haben“. Und überall lauern „Kreuzspinnen“, die die Gebeine toter Nazis wieder ausgraben wollen.

Im Kampf Gut gegen Böse sei aber der Humor eine „großartige Waffe“, so Rudiš. „Autokraten haben Angst vor Humor, vielleicht können der Humor und die Literatur uns retten.“

Das Bild zeigt zwei Männer, die sich auf einer Bühne auf Stühlen sitzen. Der Mann links trägt ein dunkles Hemd und eine Basecap und gestikuliert mit den Armen. Der Mann rechts ist ihm zugewandt und hält Gesprächskarten in der Hand.


Max Czollek auf der ARD-Bühne auf der Buchmesse im Gespräch mit Alexander Solloch.
Bild © Carolin Glomp (hr)


Der Schriftsteller und Publizist Max Czollek stellte auf der ARD-Bühne seinen Debütroman „Zweifelssohn“ vor – und übte scharfe Kritik am Politik- und Medienbetrieb. Angesichts der Erfolge der AfD, zuletzt etwa bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, sei „die Behauptung, alles ist in Ordnung, weiterhin sehr laut“, sagte Czollek.

Dabei könne niemand bestreiten, dass „Dinge gerade sehr schief gehen oder unter Druck stehen wie vielleicht noch nie nach 1945“. Ein erheblicher Teil der Gesellschaft – darunter führende Politiker Deutschlands – seien auf der Suche nach Schuldigen. „Aber die Schuldigen dürfen alle sein außer wir selbst.“

Das beobachte er „nicht nur auf Seiten der Bürglich-Konservativen“, sondern auch im liberalen und progressiven Lager, so Czollek. „Der Gedanke, dass die Dinge besser werden, wenn wir sie nur besser erzählen, funktioniert nicht mehr“, sagte er mit Blick auf die Reaktion von Bundeskanzler Merz nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt.

Ihre Rede bei der Buchmesse-Eröffnung machte die tschechische Autorin Radka Denemarková international bekannt. „Die Staatsminister, die die Kultur vernichten, kommen und gehen – aber die Literatur bleibt“, hatte sie am Dienstag gesagt und stehende Ovationen bekommen. Auf der ARD-Bühne erklärte sie, sie habe den Satz spontan geäußert, weil sie die Reden der Kulturminister vor ihr als unverschämt empfunden habe.

Dass ihr Satz und ihre Rede so viele Reaktionen auslösen würden, habe sie nicht erwartet. „Meine Rede war nicht mutig. Ich habe nur die Realität benannt“, betonte sie. Die Reaktionen in ihrem Land seien aber schlimmer als erwartet, berichtete sie. Der tschechische Kulturminister Oto Klempíř sei nun beleidigt und beleidige wiederum sie.

 „Aber er ist mir egal“, sagte Denemarková. „Denn er braucht doch uns Künstler:innen, ohne uns gäbe es kein Kulturministerium.“ Klempíř habe ihr jegliche künftige Unterstützung versagt. „Darauf habe ich ihm eine Nachricht geschickt, dass ich ihn ernähre, nicht er mich.“

Doch das zeige: Die Zeiten seien gefährlich. „Wir müssen jetzt vergessen, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht: Wir müssen zusammenhalten gegen diese Typen, denen die Kultur absolut egal ist.“

Das Bild zeigt zwei Frauen, die auf Stühlen auf einer Bühne sitzen. Sie halten jeweils Mikrofone in den Händen. Im Hintergrund ist zu lesen: Buch Lounge.


Autorin Caro Wahl im Gespräch mit Mona Ameziane.
Bild © Carolin Glomp (hr)


Mit ihrem neuen Roman „1999 Meter über dem Meer“ hat sich die Autorin Caroline Wahl ihren Fans auf der Literaturbühne präsentiert. Alle Plätze waren belegt, Wahl bekam begeisterten Applaus. Sie genieße den Austausch mit den Fans auf der Messe, so Wahl. Sie sei weit weniger arrogant, als die Menschen immer dächten, wenn sie sie noch nicht kennen.

Das neue Buch nennt Wahl einen Hochstaplerroman. Die Thematik habe sie schon seit ihrem Studium beschäftigt – allerdings habe es eine ganz andere Qualität, wenn, wie in ihrer neuen Geschichte, die Hauptperson eine Frau ist. Für treue Leserinnen und Leser Wahls ist sie keine Unbekannte, Samara aus „22 Bahnen“ bekommt hier ihre eigene Geschichte. Eine turbulente Reise, bei der Samara immer tiefer in ihre Rolle als Hochstaplerin eintaucht. „Ihre erste Lüge kam noch spontan, weil sie keinen Bock hatte, zu erzählen, was sie macht. Dann schlittert sie da so rein.“

„1999 Meter über dem Meer“ ist Wahls vierter Roman, seit ihrem Debüt „22 Bahnen“ hat sie jedes Jahr ein Buch vorgelegt. „Schreiben beruhigt mich und gleicht mich aus. Und ich bin fleißig und habe Angst, dass es vorbei sein könnte.“ Sie wisse, dass sie ganz viel einfach gar nicht könne – Geräteturnen etwa. Aber eines wisse sie genau und da sei sie sehr weit weg von Hochstapelei: „Ich kann richtig gute Geschichten erfinden und ich kann richtig gut schreiben.“

Colson Whitehead: Porträtaufnahme einer Person auf einer Bühne. Der Mann trägt ein weißes Hemd mit kleinem Muster und ein schwarzes Lederjackett sowie ein Ohrmikrofon. Im Hintergrund sind unscharfe blaue Lichtstrahlen zu sehen.


Auch Colson Whitehead nimmt zahlreiche Termine auf der Buchmesse wahr.
Bild © picture alliance/dpa | Jennifer Brückner


Der doppelte Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead hat sich im Gespräch mit Kulturzeit-Moderatorin Cécile Schortmann als Nutzer Künstlicher Intelligenz geoutet. Nur in einem Bereich habe die nichts verloren: „Wenn man sie für die eigene Kunst benutzt, ist man im falschen Geschäft.“

In anderen Lebenslagen könne KI aber durchaus praktisch sein. „Man kann Krebszellen finden oder herausfinden, wie viele Blätter Toilettenpapier man benötigt“, scherzte Whitehead. Mit „Cool Machine“ hat er gerade den letzten Teil seiner Harlem-Trilogie über die Gangster-Welt New Yorks veröffentlicht. Als nächstes plane er eine Liebesgeschichte zur Zeit der Russischen Revolution, verriet der US-Amerikaner.

Beim Hessischen Literaturrat war zudem Robert-Gernhardt-Preisträger Martin Piekar zu Gast. Er sprach über seinen autofiktionalen Debütroman „Vom Fällen eines Stammbaums“, in dem er eine schwierige Mutter-Sohn-Beziehung erzählt.

Ebenfalls eindringlich: eine Veranstaltung am ukrainischen Gemeinschaftsstand zu „Lyrik von der Front“ mit der 31 Jahre alten Dichterin Yaryna Chornohuz. Sie schreibt ihre Gedichte buchstäblich an der Front, denn sie ist seit Jahren in der Armee – als Sanitäterin, Marinesoldatin und  Drohnenpilotin. 

In ihrem gerade auch auf Deutsch erschienen Gedichtband „Dasein: Verteidigung der Präsenz“ (Mauke Verlag) tritt Yaryna Chornohuz in einen Dialog mit ihren gefallenen Kameraden. Dabei will sie als dichtende Soldatin auf keinen Fall „Schönheit in Ruinen und toten Körpern suchen“ – das sei unethisch. „Sprache ist keine Waffe“, betonte Chornohuz, „aber sie kann dich verteidigen.“

Cornelia Funke: Eine Frau mit Mikrofon hält bei einer Veranstaltung ein Kinderbuch in die Kamera. Auf dem Buchcover steht: "Cornelia Funke – Emma glaubt nicht an Feen". Die Person trägt einen bunten gemusterten Schal und ein dunkles Oberteil; im Hintergrund ist eine helle Bühnenwand zu sehen.


Cornelia Funke macht mit ihrem Buch „Emma glaubt nicht an Feen“ halt auf der Literaturbühne.
Bild © picture alliance/dpa | Jennifer Brückner


Kinder, Jugendliche, Mittdreißigerinnen, Senioren: Beim Auftritt der Bestsellerautorin Cornelia Funke (Tintenherz, Die wilden Hühner) war das Publikum bunt gemischt, Funke spricht viele Generationen an. In ihrem jüngsten Buch gerät die 11-jährige Emma zur Miniatur geschrumpft in ein Feenland. Dort kann sie mit Pflanzen und Tieren sprechen. „Emma ist ein Draußen-Kind. Sie ist das Kind, das ich immer gerne gewesen wäre“, sagt Funke.

Heutzutage hätten Kinder keine Möglichkeit mehr, draußen zu sein, die Natur zu erkunden, herumzustreifen. Funke plädierte für eine Schule, die um 13 Uhr endet und keine Hausaufgaben gibt. „Kinder müssen doch auch mal durch eine Brombeerhecke schlüpfen können.“ Sie wolle mit dem Buch Neugier für die Natur wecken. „Wir Menschen sind da so taub geworden, das ist schon fast peinlich.“

An allen Besuchertagen lockt die „Crime World“ Krimi- und Gruselfans in die Halle 5.0 der Buchmesse. Ob Spurensicherung, Online-Game, Fotobox, Memory oder Escape Game: Hier können Besucherinnen und Besucher jeden Alters rätseln, entdecken und selbst ermitteln. Das populäre Genre Krimi wird nicht nur gelesen und angeschaut, sondern hautnah und interaktiv erlebbar mit dem Tatort, den Pfefferkörnern, Stern Crime und dem Podcast „Das Prinzip Mord“.

Das Bild zeigt eine Messehalle, in der dichtes Gedränge herrscht. Im Hintergrund sind Kabinen aus Pappe zu sehen, auf denen "Crime World" steht.


Die „Crime World“ lockte am Freitag viele Menschen an.
Bild © Christoph Scheffer (hr)


Fans von Valentina Fast, Alicia Zett und den „Kluftinger“-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr konnten sich bei Signierstunden Autogramme sichern. Die Signierstunden mit den BookTok-Lieblingen Liz Tomforde, Autorin der Eishockey-Romanze „Mile High“, und der Hamburgerin Mona Kasten, der mit „Maxton Hall“ ein Welthit gelungen ist, waren bereits weit im Voraus ausverkauft – genauso wie die Autogrammstunden mit Deutschlands wohl bekanntestem Rechtsmediziner Michael Tsokos.

Junge Frau auf einer Bühne, sie hält ein Mikrofon und spricht hinein.


New-Adult-Bestsellerautorin Liz Tomforde auf der Buchmesse.
Bild © Sonja Fouraté (hr)


Schon seit Mittwoch läuft das Lesefest zur Buchmesse Open Books. Am Freitag gab es wieder zahlreiche interessante Veranstaltungen und Lesungen in Museen, Kirchen und an anderen Veranstaltungsorten. Viele gesellschaftspolitische Themen wurden verhandelt.

So lasen bei dem Format „Zwischen den Zeilen“ in der St. Katharinenkirche in der Innenstadt die Autorinnen Miriam Carbe (Longlist Deutscher Buchpreis), Kseniya Fuchs und Eva Menasse aus den Werken ihrer Kollegen und Kolleginnen aus Kriegs- und Krisengebieten.

Die Krimi- Bestsellerautorin Charlotte Link präsentierte den neuen Band ihrer Kate Linville-Reihe in der Volksbühne und der Correctiv-Verlag ließ die Journalisten Can Dündar und Marcus Bensmann im Haus am Dom diskutieren: „Warnung an Deutschland. Wir haben erlebt, wie Demokratien sterben.“ Der Tropenverlag stellte das Romandebut „Zweiflssohn“ des Journalisten Max Czollek vor – um nur einige zu nennen.

Im Rahmen des Frankfurt Kids Festival stellte außerdem Illlustrator Axel Scheffler die Fortsetzung der beliebten „Grüffelo“-Reihe vor – mit einer Lesung und Live-Zeichnen in der Stadtbücherei Frankfurt. Am Abend wurde der Jugendliteraturpreis vergeben.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/cornelia-funke-caroline-wahl-jaroslav-rudi-darueber-diskutierte-die-buchmesse-am-freitag-v9,tipps-buchmesse-freitag-2026-100.html

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