Joscha Bongard erregte mit seinem satirischen Filmdebüt „Babystar“ über eine Influencer-Familie international Aufsehen. Heute Abend erhält der Kasseler Regisseur dafür den Nachwuchspreis des Hessischen Film- und Kinopreises – zusammen mit weiteren Promis.

Seit ihrer Geburt lebt Luca (Maja Bons, Bildmitte) im Film „Babystar“ im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Bild © Jakob Fliedner/Across Nations
Wie wäre es, wenn unser Leben vom ersten bis zum letzten Atemzug auf Video im Internet festgehalten würde? Das ist die Idee von Joscha Bongards Debütfilm „Babystar“. Darin wächst die 16-jährige Luca (gespielt von Shootingstar Maja Bons) in einer Influencer-Familie auf. Ihre Eltern stellen intime Momente online und vermarkten nebenbei auch kommerzielle Produkte.
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03:08 Min.|Jan Tussing
Satire über eine Influencer-Familie
Die Idee zum Film hatte Bongard nach seinem Dokumentarfilm „Pornfluencer“ über ein junges Paar, das gemeinsame Pornos dreht und diese ins Netz stellt. „Da ging es auch um Ausbeutung von intimen Momenten und intimen Beziehungen“, erklärt der 32-Jährige. In „Babystar“ dreht Bongard das Thema noch weiter. „Wir haben den Film als Satire angelegt, als eine Zuspitzung der Realität“.
Weil die Welt der Influencer ohnehin schon sehr absurd ist, fiel es Bongard manchmal schwer, „noch einen drauf zu packen“. Im Film zeigt er Lucas Mutter, die ihre eigene Geburt filmen lässt und sich vorher noch für ihre Follower mit ihrem Lieblingslippenstift schminkt. „Das sind alles Sachen, die ja real existieren“, so der Regisseur.
Eltern beuten ihre Kinder auf Social Media aus
Als die Eltern sich entscheiden, noch ein Baby zu kriegen, verlangen sie von Luca, die Geburt ihrer kleinen Schwester selbst zu filmen. Das stürzt die 16-jährige in eine Krise, sie verklagt ihre Eltern. Bongard verhandelt in seinem Drehbuch, Familiendynamiken, „wenn das Kind als Asset vermarktet wird“.

Regisseur Joscha Bongard erhält für sein Filmdebüt „Babystar“ den Nachwuchspreis des Hessischen Film- und Kinopreises.
Bild © Sebastian Gabsch
„Soziale Medien verändern unser Menschsein“
Bongards Film zeigt eine Welt in der nahen Zukunft. Für den Filmemacher leben wir jetzt schon in einer Realität, in der sich „Menschen ausbeuten lassen und Leute sich das anschauen“. Er fragt: „Warum machen wir das? Warum interessiert uns das so sehr, irgendwelche Menschen zu verfolgen, die wir gar nicht kennen?“ Das werde uns als Menschen verändern.
ZDF ist mit im Boot
„Babystar“ ist als Abschlussfilm an der Fernsehakademie Ludwigsburg entstanden und wurde von Bongards Professorin und Mentorin Maren Ade begleitet. Ade ist seit dem Erfolg von „Toni Erdmann“ eine der erfolgreichsten Produzentinnen in Deutschland. Das ist ein Grund, warum „Babystar“ als Ko-Produktion mit dem „Kleinen Fernsehspiel“ des ZDF entstand und bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar ist.
Hessischer „Newcomer des Jahres“
Joscha Bongard hat mit seinem Film einen Nerv getroffen und wurde auf das renommierte Filmfest von Toronto eingeladen. Dort feierte „Babystar“, entstanden mit Fördermitteln der Hessischen Filmförderung, bereits im vergangenen Jahr Weltpremiere.
„Dass wir mit dem Film so eine große internationale Aufmerksamkeit bekommen haben, war natürlich erst mal ganz surreal“, erinnert sich Bongard. „Es war ganz überwältigend, in Toronto zu stehen und auf einmal ausverkaufte Kinos zu erleben.“
Auszeichnungen in Höhe von 210.000 Euro
Nun erhält der junge Kasseler Filmemacher den mit 5.000 Euro dotierten hessischen Newcomer Preis. Im Deutschen Filmmuseum wird er ihm am Freitagabend auf der Feier des diesjährigen Film,- und Kinopreises in Frankfurt feierlich verliehen.
Insgesamt werden bei der Preisverleihung Auszeichnungen in Höhe von 210.000 Euro vergeben.
Hessische Filmszene feiert ohne große Gala
Unter den Preisträgern befinden sich so erfahrene Regisseure wie Volker Schlöndorf. Der Wiesbadener Altmeister wird für seinen Film „Heimsuchung“ mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Das Frankfurter „Tatort“- Ermittlerduo Melika Foroutan und Edin Hasanovic erhält den Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks.
Auf eine große Gala wird in diesem Jahr übrigens verzichtet, damit die Preisgelder und Fördermittel für den hessischen Film konstant bleiben können.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/babystar-gewinnt-nachwuchspreis-des-hessischen-film–und-kinopreises-v1,filmpreis-2026-babystar-100.html


