Große Stars und Blockbuster hat das Randfilmfest in Kassel nicht zu bieten. Trotzdem ist das Festival für abseitige Filme auch international bekannt und beliebt. Jetzt beginnt die 13. Ausgabe.

Beim Film „Silencio“ geht es um eine Familie queerer Vampirschwestern.
Bild © Eduardo Casanova
„Das sind ganz wilde, raue, transgressive Streifen.“ So beschreibt Festivalleiter Volker Beller den Kern der Filme, die beim Randfilmfest in Kassel gezeigt werden. Das Vorbild seien Werke, die in den 1970er und 80er auf Video erschienen und die „heutzutage niemand mehr mit der Kneifzange anfassen würde“.
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00:40 Min.|Marcel Ruge
Nicht das Genre steht beim Randfilmfest im Mittelpunkt, sondern die Herangehensweise. „Es ist ein Kino, das aufbegehrt, das sich gegen den Zeitgeist stellt“, sagt Beller. Mit Filmen, die provozieren würden, nicht politisch korrekt, aber meist sehr aktuell seien. Und es ist ein Kino, das seine Fans hat.
Rund 120 Spielfilme aus aller Welt sind zum Festival in diesem Jahr eingereicht worden, 19 sind bis Sonntag in den Bali-Kinos und im Kiezkino im Film-Shop zu sehen. Zudem gibt es zahlreiche Kurzfilme und ein Rahmenprogramm.
Vampir-Groteske zwischen Franco-Diktatur und HIV-Krise
Zur Eröffnung heute ist der spanische Film „Silencio“ unter der Regie von Eduardo Casanova zu sehen. „Eine nur 56 Minuten lange Groteske über einen Zirkel von Vampirschwestern und die HIV-Krise der 1980er Jahre“, resümiert Beller.

Volker Beller ist seit sechs Jahren Festivalleiter des Randfilmfests.
Bild © Randfilm
Weiteres Highlight ist die Vorführung des US-Films „Begotten“ aus dem Jahr 1989 – und zwar im Original auf 16-Millimeter-Film. „Davon existieren gerade mal drei Kopien. Und wir zeigen eine im Kiezkino.“
Professorin: „Ein wahres Glück für die Kulturszene“
Es ist definitiv kein Mainstream, den das Randfilmfest zeigt. Es geht nicht um Geld und Ruhm und rote Teppiche, sondern tatsächlich um die Filmkunst.
„Für die Kulturszene der Stadt ist das Randfilmfest ebenso wie das Kasseler DokFest ein wahres Glück“, sagt Stefanie Kreuzer der hessenschau. Sie ist Professorin für Neuere deutsche Literatur und Medienwissenschaften an der Uni Kassel und saß vor zwei Jahren selbst in der Jury des Randfilmfests.
Filme jenseits von „massenkompatiblem Konsumverhalten“
Das Festival richte sich mit seiner diskussionswürdigen und oftmals streitbaren Filmauswahl gegen das Vergessen von älteren und aktuellen Filmen jenseits kommerzieller Streaming-Plattformen und jenseits gängiger Sehgewohnheiten. Einheitsbrei – den gibt es hier eben nicht.
„Im Gegensatz zu Blockbustern entfalten ungewöhnliche Filme ihren Reiz jenseits von massenkompatiblem Konsumverhalten und kommerzieller Auswertung“, sagt Kreuzer. Genau solche Nischen seien schützenswert. Dazu trage das Randfilmfest bei.
Verein betreibt älteste Videothek der Welt
Hinter dem Festival steht der Verein Randfilm, der sich der Förderung der Kino-Kultur verschrieben hat. Unter anderem betreibt er den Film-Shop. Das Geschäft in der Kasseler Nordstadt gilt als älteste Videothek der Welt und beherbergt laut eigenen Angaben ein Archiv von über 20.000 Filmen.
Der Schwerpunkt beim diesjährigen Randfilmfest liegt – passend zur 13. Ausgabe – beim Horrorfilm. „Wir laden ein, Angst und Furcht gemeinsam in den Kinosälen zu erleben, sich gemeinsam wohlig zu gruseln“, sagt Organisator Volker Beller. „Es geht aber auch darum, sich auseinanderzusetzen mit politischen, gesellschaftlichen Zuständen, die unerträglich sind.“
Der deutsche Genre-Film ist, ganz knallhart gesagt, tot.
Zitat von
Volker Beller, Leiter Randfilmfest
Zitat Ende
Gefördert wird das Festival unter anderem von der Filmförderung Hessen Film & Medien, vom Kulturamt der Stadt Kassel und von mehreren Stiftungen. Das Budget sei nicht üppig, aber es reiche, um ein Festival auf die Beine zu stellen, sagt Beller.
Anders sehe es bei vielen abseitigen Filmen aus. „Der deutsche Genre-Film ist, ganz knallhart gesagt, tot“, sagt Beller. Es gebe schlicht kaum Geld dafür.
Entsprechend ist das Randfilmfest sehr international ausgerichtet. Unter den Nominierten für den Festival-Preis Rand-Award ist keine einzige Produktion aus Deutschland zu finden, dafür aber Werke aus Japan, den USA, Italien oder Indonesien.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/beim-randfilmfest-in-kassel-laufen-wilde-raue-transgressive-streifen-v1,randfilmfest-kassel-102.html

