Prominente Namen, provozierende Arbeiten und bislang übersehene Wissenschaftlerinnen, die jetzt sichtbar gemacht werden: Das bieten hessische Museen und Kunsthallen in diesem Herbst.
Warum waren hessische Fürsten so scharf auf die Grafiken eines Albrecht Dürer? Sie die Werke von Jürgen Klauke subtil ironisch oder einfach nur eklig? Und wie kann man mit Hilfe von KI die Arbeit scheinbar vergessener Wissenschaftlerinnen sichtbar machen?
Ganz unterschiedlichen Themen und Künstlern widmen sich die hessischen Museen und Ausstellungshäuser in diesem Herbst. Das sind unsere sieben Empfehlungen:
Dürer für hessische Fürsten in Kassel
Albrecht Dürer, vor 555 Jahren geboren, war schon zu Lebzeiten ein Star. Wer etwas auf sich hielt, kaufte eine Druckgraphik des Nürnberger Meisters. Auch die Fürsten von Kassel und Darmstadt ließen sich vom Dürer-Fieber anstecken. Was sie über die Jahrhunderte zusammentrugen, zum Beispiel Dürers berühmtes Rhinoceros, ist ab dem 9. Oktober im Schloss Wilhelmshöhe zu sehen.
Fotografien von Marilyn Monroe in Fulda

Bilder von Allan Grant waren auch in der National Portrait Gallery in London zu sehen.
Bild © IMAGO / Avalon.red
In diesem Jahr wäre Marilyn Monroe 100 Jahre alt geworden. Sie war nicht nur Schauspielerin und Sängerin, sondern auch eine frühe Popikone, die Künstler wie Andy Warhol inspirierte.
Die Fuldaer Galerie Fuchs zeigt nun bisher unveröffentlichte, intime Fotografien und Audioaufnahmen des LIFE-Magazin-Fotografen Allan Grant (1919-2008). Der Pop Art Künstler James Francis Gill nutzte die Fotos als Vorlage, um ein neues Marilyn Triptychon zu schaffen, das ebenfalls in Fulda zu sehen ist.
„Schlachtfelder“ von Jürgen Klauke in Gießen

Jürgen Klauke bei einer Retrospektive in der Bonner Bundeskunsthalle 2001.
Bild © picture-alliance / dpa/dpaweb | Roland_Scheidemann
Jürgen Klauke (Jahrgang 1943) hat schon in den 1970er und 80er Jahren die heute so aktuell erscheinenden Fragen nach Identität und Körperwahrnehmung gestellt. Er arbeitet mit Fotografie, Zeichnung, Performance und Installation und war unter anderem auf der documenta 6 und 8 zu sehen. Die Kunsthalle Giessen präsentiert zentrale Werkgruppen neu, darunter das Fototableau „Schlachtfelder“.
Maria Magdalena zwischen Sünderin und feministischer Ikone in Frankfurt
Ein Nacktfoto von Kim Kardashian im Frankfurter Städel? Ja, denn dieses ist nicht einfach Internet-Pornografie. Es ist Teil einer Ausstellung, die den Wandel des Bildes der biblischen Figur Maria Magdalena über fast 1.000 Jahre verfolgt – und dabei viel über sich ändernde Frauenbilder erzählt.
Bilder aus der Sammlung alter Meister werden dabei mit zeitgenössischen Darstellungen in Beziehung gesetzt, zum Beispiel mit einer selbstbewussten Maria Magdalena der spanischen Malerin Nieves González, Jahrgang 1996, oder eben der Inszenierung von Kim Kardashian durch David LaChapelle.
Frauen in der Naturforschung im Senckenbergmuseum Frankfurt

Ein KI-generiertes Bild von Lise Meitner: Die Physikerin war 48-mal für den Nobelpreis nominiert, hat ihn aber nie erhalten.
Bild © Gesine Born
Wissenschaftlerinnen, Laborantinnen, Stifterinnen und Zeichnerinnen: Ohne Frauen wären das Senckenberg Forschungsinstitut und das Naturmuseum um viel Erkenntnisse und Exponate ärmer. Viele seien in der Geschichtsschreibung übergangen worden, sagen die Institutler selbst und wollen den Frauen nachträglich ein Denkmal setzen.
Die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Gesine Born hat dazu in KI-generierten Porträts die Frauen in ihrem möglichen Arbeitsumfeld inszeniert. Die Inhalte der Sonderausstellung basieren auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Secret Service: Frauen. Forschung. Senckenberg“, in dem zahlreiche Biographien von Frauen in der Naturforschung wissenschaftlich aufgearbeitet werden.
Armin Mueller-Stahl in den Opelvillen Rüsselsheim

Die Opel Villen widmen Armin Mueller-Stahl eine Ausstellung.
Bild © picture-alliance/dpa
Mit 60 begann seine Karriere in Hollywood, mit 70 machte er seine erste Kunstausstellung, mit über 80 gab er noch Konzerte. Armin Mueller-Stahl ist nicht nur einer der größten deutschen Schauspieler, sondern auch ausgebildeter Musikwissenschaftler und Geiger – und Maler.
Gemeinsam mit der Kunsthalle Emden und der Stiftung Museum Schloss Moyland würdigen die Opelvillen Rüsselsheim den inzwischen 95-jährigen Mueller-Stahl als bildenden Künstler. Dabei spielt seine Biografie eine herausragende Rolle: Begebenheiten in der früheren DDR prägten ihn ebenso wie sein späteres Pendeln zwischen den USA und Deutschland.
Wildlife Photographer of the Year in Darmstadt

Das Gewinner-Foto 2025 von Wim van den Heever zeigte eine Schabrackenhyäne in Namibia.
Bild © Wim van den Heever/Wildlife Photographer of the Year 2025 / Knesebeck Verlag
Seit drei Jahren ist das Hessische Landesmuseum Darmstadt eines der wenigen Museen in Deutschland, die die Ergebnisse des renomierten Wettbewerbs „Wildlife Photographer of the Year“ ausstellen dürfen. Er wird seit 1965 jährlich vom Natural History Museum London ausgetragen und versammelt die Arbeiten der besten Naturfotografinnen und -fotografen der Welt.
Passend zur Schau veranstaltet das HLMD einen eigenen Fotowettbewerb „Tiere vor der Kamera“. Noch bis 30. November können hier Naturfotografien eingereicht werden, die dann mit den Profi-Werken zusammen ausgestellt werden.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/diese-ausstellungen-in-hessen-machen-lust-auf-den-herbst-v1,ausstellungen-2026-herbst-100.html


