Für die Übernahme von 178 Tegut-Märkten hat das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben. Doch 24 Standorte darf Edeka vorerst nicht übernehmen – viele davon liegen in Hessen. Für diese Märkte ist offen, wer sie künftig betreiben wird.

Der Fuldaer Lebensmittelhändler Tegut wird saniert.
Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
Für den Großteil der Tegut-Märkte ist die Zukunft geklärt: Die Supermarktkette Edeka darf 178 Filialen des angeschlagenen Lebensmittelhändlers übernehmen. Das Bundeskartellamt hat dafür am Montag grünes Licht gegeben. Mehr als die Hälfte der freigegebenen Standorte liegt in Hessen.
Allerdings muss Edeka auf 24 Standorte verzichten – und zwar für vier Jahre, wie das Kartellamt weiter mitteilte. Elf davon liegen in Hessen.
Kartellamt-Bedenken
Grund dafür sind Bedenken der Wettbewerbshüter: „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.
Mit dem vierjährigen Verzicht auf die 24 Standorte seien die Bedenken ausgeräumt. Ursprünglich hatte Edeka bundesweit mehr als 200 der 300 Filialen kaufen und weiterbetreiben wollen.
Die Liste aller 178 freigegebenen Tegut-Standorte finden Sie hier.
Edeka sieht Zukunft für 3.700 Beschäftigte
Der Edeka-Verbund begrüßte die Freigabe der Übernahme durch das Kartellamt. „Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten und die Menschen in den betroffenen Regionen.“ Damit erhielten rund 3.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine klare Zukunftsperspektive.
Die übernommenen Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden. Ein Teil davon soll künftig von Netto Marken-Discount betrieben werden. Zugleich bedauerte das Unternehmen, auf eine erhebliche Zahl von Standorten verzichten zu müssen.
Elf Tegut-Märkte dürfen vorerst nicht übernommen werden
In Hessen darf Edeka zunächst elf Tegut-Märkte nicht übernehmen:
- Hünfeld (Fulda)
- drei Filialen in Kassel
- Neuhof (Fulda)
- Kirchhain (Marburg-Biedenkopf)
- Korbach (Waldeck-Frankenberg)
- Alsfeld (Vogelsberg)
- Riedstadt (Groß-Gerau)
- Lichtenfels-Sachsenberg (Waldeck-Frankenberg)
- Schotten-Rainrod (Vogelsberg)
Damit liegt mehr als ein Drittel der bundesweit betroffenen 24 Märkte in Hessen. Für sie ist zunächst offen, wie es weitergeht. Das Bundeskartellamt schreibt nicht vor, wer die Märkte künftig betreiben soll. Edeka darf sie allerdings für vier Jahre weder kaufen noch Miet- oder Anschlussmietverträge abschließen.
Was wird aus den Märkten?
Die Regelung soll demnach sicherstellen, dass die betroffenen Märkte für einen längeren Zeitraum auch für andere Betreiber zur Verfügung stehen.
Für die betroffenen Standorte bedeutet die Entscheidung damit also nicht automatisch, dass die Läden schließen. In Hessen gibt es bereits mehrere Beispiele dafür, dass Tegut-Märkte von anderen Unternehmen übernommen werden.
Die Genossenschaft Tante Enso übernimmt 16 frühere Tegut-Filialen in Hessen. In Lichtenfels-Sachsenberg – einem der Märkte aus der Liste des Bundeskartellamts – sowie in Haina-Löhlbach (beide Waldeck-Frankenberg) ist mit der Lüning-Gruppe ebenfalls eine Lösung gefunden.
Kartellamt sieht Lebensmittelmarkt stark konzentriert
Das Bundeskartellamt begründet seine Entscheidung mit der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Edeka, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Rewe und Aldi kamen demnach 2025 zusammen auf mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze.
Edeka ist dabei mit rund 30 Prozent Marktanteil der größte Anbieter, gefolgt von der Schwarz-Gruppe mit rund 25 Prozent, Rewe mit rund 22 Prozent und Aldi mit rund 15 Prozent.
Hessens Wirtschaftsminister hatte Kartellamt kritisiert
Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) hatte Bedenken der Wettbewerbshüter bereits im Juli kritisiert. „Wenn Filialen im ländlichen Raum schließen, verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz und die Bevölkerung teils ihren einzigen Nahversorger“, hatte Mansoori argumentiert. „Dann verkommt das Kartellrecht zu lebensfremder Theorie.“
160 Standorte hat die Supermarktkette Tegut in Hessen, mehr als im ganzen restlichen Deutschland. Rund 40 davon liegen laut dem Konzern im ländlichen Raum, in Ortschaften also mit weniger als 5.000 Einwohnern.
Die geplante Übernahme weiterer Tegut-Standorte durch Rewe prüft das Bundeskartellamt unterdessen noch. Eine Entscheidung soll bis Ende Oktober fallen.
Anm. d. Red.: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass die Liste neun hessische Standorte umfasst. Mit Lichtenfels-Sachsenberg und Schotten-Rainrod sind es jedoch elf.
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/edeka-darf-tegut-uebernehmen—mehrere-hessische-filialen-vorerst-ausgenommen-v3,edeka-tegut-uerbernahme-100.html


