Das Erdbeben bei Worms war am Donnerstag auch in Südhessen zu spüren. Inzwischen wurden zwei weitere, deutlich schwächere Beben registriert. Experten erklären, warum die Erde in der Region immer wieder bebt.
Seismograph zur Aufzeichnung von Erderschütterungen
Bild © Imago
Der Erdbebendienst Südwest meldete in der Gefahrenapp Katwarn am Donnerstag um 17.27 Uhr ein „schwaches Erdbeben“ bei Worms in Rheinland-Pfalz. Das Beben hatte nach ersten Angaben des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung eine Stärke von 3,3. Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg gab die Stärke am Freitag mit 3,5 an.
Epizentrum an der Landesgrenze zu Hessen
Das Ereignis war im Umkreis von rund 30 Kilometern bis nach Südhessen zu spüren. Hinweise auf Verletzte oder Schäden gab es bis Freitag zunächst nicht.
Das Epizentrum des „Dreiländerbebens“, wie Experten die Erschütterung tauften, lag in Bobenheim-Roxheim, gut zehn Kilometer südlich von Worms – in unmittelbarer Nähe zu den Landesgrenzen von Hessen und Baden-Württemberg. Auf der anderen Rheinseite liegt Lampertheim (Bergstraße). Dort war das Beben laut dem Erdbebendienst für eine Dauer von etwa zwei bis fünf Sekunden wahrzunehmen.
Zwei Nachbeben registriert
Das Beben ereignete sich den Angaben zufolge in rund acht Kilometern Tiefe und war natürlichen Ursprungs. Inzwischen registrierten die Behörden zwei weitere Beben in der Region – demnach eines mit einer Magnitude von 1,7 und eines mit 0,7.
Beide waren nach Angaben örtlicher Experten nicht spürbar. Schwächere Nach- oder Begleitbeben können auftreten, wenn sich nach einem stärkeren Stoß weitere Spannungen entlang der Störungszonen lösen.
In Südhessen deutlich spürbar
Ein Sprecher der Polizei Südhessen erklärte nach dem ersten Erdbeben am Donnerstagabend, es habe leichte Vibrationen gegeben. Eine Anruferin habe gefragt, ob ein Kampfjet über das Gebiet geflogen sei.
„In Biblis war es auch deutlich spürbar. Die Couch und der Fernseher haben gewackelt“, schrieb eine Nutzerin auf Facebook. Dort berichteten zahlreiche weitere Menschen aus Südhessen über ihre Wahrnehmungen.
Als würde ein Lastwagen gegen eine Wand fahren
Es gebe unter anderem Rückmeldungen aus dem Raum Bürstadt, Lampertheim, Viernheim, Lorsch und Heppenheim, teilte der Leiter des Erdbebendienstes, Benjamin Homuth, auf dpa-Anfrage mit. Auch im Odenwald bis nach Wald-Michelbach und nach Norden bis ins Modau- und Fischbachtal sei es zu spüren gewesen.
„Von Schäden gibt es bisher keine Berichte“, sagte der Seismologe. „Aus den Rückmeldungen aus der Bevölkerung lässt sich schließen, dass vor allem ein Grollen und eine Vibration, ein Stoß verspürt wurde“, erläuterte Homuth. Teilweise sei das Ereignis so beschrieben worden, als würde ein Lastwagen gegen eine Wand fahren und das Haus wackeln.
Warum die Erde gebebt hat
In Deutschland kommt es immer wieder zu leichteren Erdbeben, bei denen es allerdings selten Schäden gibt. Die Erschütterungen werden von Wissenschaftlern als sogenanntes tektonisches Erdbeben eingeordnet.
Die Region um Worms liegt im Oberrheingraben, einer geologisch alten Bruchzone. Dort gibt es zahlreiche Verwerfungen und Störungen im Untergrund, die als sogenannte natürliche Schwächezonen wirken. Wenn sich entlang solcher Störungen plötzlich Spannungen lösen, gerät der Boden in Bewegung.
Der Oberrheingraben reißt heute zwar nicht mehr weiter auf. Dennoch wirken im Untergrund gewaltige Kräfte. Die afrikanische Platte bewegt sich nach Norden und drückt gegen die europäische Platte. Das kann im Oberrheingraben Spannungen aufbauen, die sich ruckartig entladen.
Zuletzt hatte es im August ein Erdbeben der Stärke 2,6 im Taunus gegeben. Das letzte spürbare Erdbeben in Südhessen gab es zu Jahresbeginn.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/erdbeben-erschuettert-auch-suedhessen–zwei-weitere-beben-registriert-v2,erdbeben-suedhessen-108.html



