Vor 20 Jahren gründete Rita Fürstenau Rotopol in Kassel. Heute zählt der Verlag zu den erfolgreichsten unabhängigen Comicverlagen Deutschlands. Für die Arbeit bekommt das Team jetzt den Deutschen Verlagspreis – und das nicht zum ersten Mal.
Im Schaufenster ein kleines Krabbeltier und stilisierte Blüten in Pink und Rot; dahinter ein kleiner Raum, vollgestopft mit Büchern, Zeichnungen und Postkarten. Wer die Tür zu dem Ladengeschäft in dem alten Gründezeitbau öffnet, taucht ein in eine Welt, in der Bilder Geschichten erzählen.

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Es ist die Welt von Rita Fürstenau. Die 44-Jährige führt Rotopol, einen Verlag für Graphic Novels. Veröffentlicht werden Bücher mit Illustrationen und Comics, die Worte ergänzen oder sogar ersetzen. Gemeinsam mit ihrem Team verlegt sie acht Bücher im Jahr – und das äußerst erfolgreich.
Der Verlagsladen im Stadtteil Vorderer Westen ist am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse nach 2020 und 2022 erneut mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet worden; 2023 gab es sogar den mit 60.000 Euro dotierten Spitzenpreis.
Mit dem Gütesiegel und einem Preisgeld von 18.000 Euro wurden beim Deutschen Verlagspreis neben Rotopol aus Kassel zwei weitere hessische Verlage ausgezeichnet: der S. Marix Verlag aus Wiesbaden und Schöffling & Co. aus Frankfurt.
Die drei Hauptpreise von jeweils 50.000 Euro gingen an Voland & Quist (Dresden), den Merve Verlag (Leipzig) und an den kunstanstifter-Verlag für Illustration (Mannheim).
Außerdem gab es Preise für Innovation und Nachhaltigkeit.
Bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse dankte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den freien Verlagen für ihre Arbeit für die „Idee der Freiheit und die Erhabenheit der Literatur“.
Die Preisträger des Deutschen Verlagspreises
Mit dem Gütesiegel und einem Preisgeld von 18.000 Euro wurden beim Deutschen Verlagspreis neben Rotopol aus Kassel zwei weitere hessische Verlage ausgezeichnet: der S. Marix Verlag aus Wiesbaden und Schöffling & Co. aus Frankfurt.
Die drei Hauptpreise von jeweils 50.000 Euro gingen an Voland & Quist (Dresden), den Merve Verlag (Leipzig) und an den kunstanstifter-Verlag für Illustration (Mannheim).
Außerdem gab es Preise für Innovation und Nachhaltigkeit.
Bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse dankte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den freien Verlagen für ihre Arbeit für die „Idee der Freiheit und die Erhabenheit der Literatur“.
Fürstenau hat Rotopol vor 20 Jahren als Studentin der Visuellen Kommunikation gegründet. Ihr Antrieb: einen Ort schaffen für das, was im Studium entsteht.

Das Schaufenster von Rotopol – kunstvoll gestalltete Blüten machen Lust auf Bücher.
Bild © Stefanie Küster (hr)
Ein Ort für eine Kunst, die nicht sichtbar ist
Egal ob eigene Projekte oder Werke von anderen Zeichnerinnen und Zeichnern, sie alle fristeten ihr Dasein im Verborgenen. Öffentlich präsentiert wurden sie nicht, erinnert sich Fürstenau.
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00:40 Min.|Nicolas Frühling
„Immer, wenn ich in eine Buchhandlung gegangen bin, hatte ich das Gefühl, das alles ist gar nicht sichtbar.“ Die Idee von einem eigenen Verlag für genau diese Kunst war geboren.
Immer in Bewegung
Die ersten Bücher entstehen im direkten Umfeld, über die Jahre wächst das Ganze. Durch die enge Zusammenarbeit entstehen immer weitere Kontakte – auch international. Junge Künstlerinnen und Künstler, die ihr Debüt veröffentlichen, werden von älteren im Lektorat unterstützt.
Der Name Rotopol ist ein Wortspiel: „Er setzt sich zusammen aus Pol, einem Ort, wo Dinge zusammenkommen. Roto stammt von Rotieren. Man muss ja auch ein bisschen in Bewegung sein.“
Rotopol sei ein Ort, wo Bücher entstehen und sichtbar werden, erklärt die 44-Jährige. Der Laden biete die Möglichkeit, die eigenen Bücher auszustellen und so dem Publikum zu präsentieren. Am Ende eines langen Gangs liegt das Verlagsbüro.
Grafisches Erzählen führt zu Irritationen
Das Genre sei eher eine Nische, grafisches Erzählen für ein erwachsenes Publikum ungewöhnlich. Für Kinder hingegen hätten illustrierte Bücher in Deutschland „eine lange Lesetradition“, erklärt Fürstenau.
Doch sobald man sich aus diesem Feld herausbewege, sorge das für Irritationen – gerade wenn es sich mit einem historischen oder aktuellen politischen Thema beschäftige.

„Geschichten, die man woanders nicht findet“: Kundin Julia Ronge schätzt die Buchauswahl.
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Aber auch die Comics für Kinder hätten sich in den letzten Jahren verändert. Sie knüpften viel stärker an die Lebenswelten der Kinder an und behandelten Themen, die sie heute beschäftigten.
„Geschichten, die man woanders nicht findet“
Mittlerweile kommen viele immer wieder, um in dem kleinen Laden zu stöbern. Kundin Julia Ronge schätzt die tolle Buchauswahl im kleinen Laden. „Hier gibt es Geschichten, die man woanders nicht findet“, sagt sie.
Dazu sei alles liebevoll gestaltet. „Papierauswahl, Format, Farben – das sind hier keine Massenprodukte, sondern einzelne kleine Kunstwerke“, so Ronge.

Franka Bohny ist regelmäßig bei Rotopol – und findet immer Sachen, die sie spannend findet.
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Franka Bohry studiert selbst Kunst in Kassel und schaut ab und zu bei Rotopol vorbei. „Hier finde ich immer Sachen, die ich spannend finde“, berichtet sie. Die Form der Graphic Novels, Bilder mit Text zu verbinden, sei im Vergleich zu normalen Büchern besonders spielerisch.
Comic Club, Lesungen: Enge Kooperation mit örtlichem Buchhandel
Mittlerweile pflegt Rotopol einen engen Kontakt zum örtlichen Buchhandel. Jörg Robbert von der Buchhandlung Brencher in Wilhelmshöhe sieht zwischen Verlag und Buchhandel keine Konkurrenzsituation.
Man profitiere voneinander, sagt er. „Unabhängige Verlage brauchen unabhängige Buchhandlungen.“ Zudem sei es für kleine Verlage schwer, sich in Buchhandlungen einen Platz zu erkämpfen. Mit dem Lastenrad holt er regelmäßig Bestellungen für seinen Laden ab.

Keine Konkurrenz: Jörg Robbert und Christiane Göbel von der Buchhandlung Brencher mit Rita Fürstenau (rechts).
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Doch das ist nicht alles: Zwischen Verlag und Buchhandlung ist auch auf dem Veranstaltungssektor eine enge Kooperation entstanden. Für das Programm in der Buchhandlung ist Christiane Göbel verantwortlich.
Gemeinsam mit Fürstenau hat sie einen Comic Club für Kinder auf die Beine gestellt. Außerdem gibt es in der Buchhandlung Lesungen mit Autorinnen und Autoren.
Mehr Sichtbarkeit für das Genre
Rotopol will Grenzen austesten und laut Fürstenau Titel im Verlagsprogramm haben, die sich mit Dingen auseinandersetzen, die für die Gesellschaft relevant sind. Diese Themen wolle man auf neue Art beschreiben und darstellen
Auch auf Festivals mischt Rotopol mit und präsentiert sich mit Lesungen der eigenen Autorinnen und Autoren. Das sei für das Team eine Möglichkeit, die eigene Arbeit auf vielfältige Weise sichtbar zu machen.
Für das Publikum sei es spannend, sich mit unterschiedlichen künstlerischen Positionen auseinanderzusetzen. „Es geht darum, eine Plattform für grafische Erzählkunst in allen möglichen Formen zu schaffen.“ Der Austausch schaffe Sichtbarkeit für das Genre, sagt Fürstenau.
Preisgeld wird investiert
Klassische Bestseller findet man im Laden nicht. Doch einige der Rotopol-Veröffentlichungen wurden vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt, wie beispielsweise „Die Grille in der Geige“ von Anna Haifisch.
Trotzdem: Reich wird Fürstenau mit ihrer Arbeit nicht – auch wenn Preisgelder wie jetzt die 18.000 Euro des Deutschen Verlagspreises helfen.
Einen großen Teil wird der Verlag in die Rückzahlung der Corona-Soforthilfen stecken, den Rest will Fürstenau in neue Bücher und Ideen stecken – und in eine Jubiläumsausstellung.
Wunsch nach Kulturförderung für kleine Verlage
Veranstaltungen, Workshops für Kinder oder Leseförderung – das alles gehört zur Arbeit von Rotopol mit dazu. Finanziell stemmen könne man das nur über den Bücherverkauf, berichtet Fürstenau.
Sie wünscht sich deshalb mehr Unterstützung jenseits von Auszeichnungen wie dem Verlagspreis. „Eigentlich bräuchte es eine strukturelle Förderung für diese Art von Kulturarbeit“, sagt sie.
Die heutige Zeit sei sehr visuell geprägt. Da sei es normal, in Bildern zu denken und zu erzählen, so die 44-Jährige. „Ich würde jeden ermutigen, dieses tolle Leseereignis einfach mal auszuprobieren.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/frankfurter-buchmesse-verlagspreis-fuer-rotopol-aus-kassel-v1,verlagspreis-rotopol-kassel-100.html

