Christine Lange aus Gießen hat einen ausgefallenen Job. Die 42-Jährige verarztet Fische – und fährt dafür durchs ganze Land.

In den Sommermonaten hat Christine Lange besonders viel zu tun.
Bild © Christine Lange

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Mit einem Kescher zieht Christine Lange einen roten Koi aus dem Becken. Erst wehrt sich der Fisch noch, zappelt und schlägt um sich. Ein paar Minuten später liegt er ruhig in einem kleinen Eimer. Betäubt von einem Narkosemittel.
So hilflos seine Lage auch scheint: Dieser Koi hat großes Glück, dass Tierärztin Lange da ist. Schließlich hat sich die 42-Jährige auf die Behandlung von Fischen spezialisiert. Und der Koi ist mit seiner entzündeten Schwimmblase auf jede Hilfe angewiesen.
Von Goldfisch bis Koi, von Wunde bis Tumor
Es sind Besuche wie diese, die Langes Tagesablauf bestimmen. Mehrmals pro Woche fährt die Gießenerin quer durch Hessen, besucht Becken, Aquarien und Teiche und verarztet alles – von kleinen Goldfischen bis hin zu Koi, Stören oder Rochen.

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„Unglaublich abwechslungsreich“ sei ihre Arbeit, erzählt die Fischärztin während einer Behandlung. Die Kundinnen und Kunden rufen sie immer dann, wenn es ihren Fischen nicht gut geht. Manche haben Wunden, andere werden von Bakterien befallen. Bei anderen bilden sich Tumore – und manchmal muss Lange sogar ein ganzes Auge operieren.
Der Koi mit seiner entzündeten Schwimmblase ist da ein vergleichsweise einfacher Fall. Weil sich die Blase mit Flüssigkeit gefüllt und entzündet hat, bekommt er im Wasser keinen Auftrieb mehr.

Einmal betäubt, kann Christine Lange den Fisch ungestört behandeln.
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Also greift die Ärztin nach einer Spritze, pumpt die Flüssigkeit aus der Schwimmblase heraus und Luft hinein. Anschließend versorgt sie die Wunde mit einem Sprühpflaster, schon wenig später kann der Koi zurück in seinen Teich. Und scheint tatsächlich wieder halbwegs normal zu schwimmen.
Quer durch Hessen und die Republik
„Es ist ein tolles Gefühl, wenn man einem Fisch helfen konnte“, erklärt Lange nach der erfolgreichen Behandlung. Schon während ihres Medizinstudiums in Gießen arbeitete sie nebenbei in einer Tierklinik, machte sich dann selbstständig und behandelt nun ausschließlich Fische.
„Soweit ich weiß, gibt es in Deutschland um die 30 Fischärzte. Und in Hessen nur drei“, berichtet Lange. An einem ereignisreichen Tag bringt sie schon mal fünf bis sechs Besuche unter, fährt dafür bis zu 500 Kilometer quer durch Hessen. Und hat sogar Kundschaft in anderen Bundesländern.

Unter dem Mikroskop kann Christine Lange nach Parasiten suchen.
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Natürlich gebe es auch traurige Momente, etwa wenn ein Fisch nach längerer Behandlung doch noch sterbe. Insgesamt sei sie aber enorm dankbar für ihren Job: „Denn ich habe hier wirklich mein Hobby zum Beruf gemacht“, so die Ärztin.
Im Winter kehrt ein bisschen Ruhe ein
Langweilig wird Lange definitiv nicht – von März bis Oktober hat die Fischärztin besonders viele Patienten. „Da bin ich eigentlich rund um die Uhr unterwegs. Ständig klingelt das Telefon“, so die 42-Jährige.
Der Grund dafür ist der Stoffwechsel der Fische: Der fährt im Winter herunter und nimmt erst im Frühjahr wieder so richtig an Fahrt auf. Wenn ein Fisch also im Spätherbst noch gesund ist, wird er es wahrscheinlich auch zum Frühlingsanfang sein.
Bald dürfte die Gießenerin also etwas mehr Zeit für sich und ihre Familie haben. Ganz ohne Fische muss sie dabei nicht auskommen: Zusammen mit ihren Kindern hält sie unter anderem Buntbarsche in mehreren kleinen Aquarien.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/giessen-fischaerztin-christine-lange-ist-in-ganz-deutschland-im-einsatz-v1,fischaerztin-portraet-100.html

