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Grün bis in den zehnten Stock: Gießen hat jetzt ein bepflanztes Hochhaus

Grün bis in den zehnten Stock: Gießen hat jetzt ein bepflanztes Hochhaus

Zwischenzeitlich sollte der 1970er-Jahre-Bau mal weg: Nun hat die Technische Hochschule Mittelhessen ein Hochhaus für fast 18 Millionen Euro grundlegend modernisiert. Die auffällige Fassadenbegrünung auf zehn Stockwerken soll das Mikroklima verbessern.

Es sieht ein bisschen aus wie ein vertikaler Gemüsegarten mit allerlei Salat und Grünzeug: Rund zwei Jahre standen hier Maschinen und Baugerüste, nun leuchtet das zehngeschossige Hochhaus auf dem Campus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) gegenüber des Gießener Schwanenteichs schon von Weitem.

Die THM hat das als C10 bekannte Hochschulgebäude aus den 1970er Jahren grundlegend saniert, barrierefrei umgestaltet und technisch modernisiert. Neben Maßnahmen an Dach, Fenstern und Dämmung ist die wohl auffälligste Veränderung die Begrünung an der Nordostseite des Gebäudes.

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|Simun Sustic

Bild © hessenschau.de|
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Begrünung mit Spezialsystem

16 Felder mit insgesamt 350 Quadratmetern wurden angebracht und bepflanzt. Anders als bei einer etwa klassisch mit Efeu bewachsenen Wand wachsen die Pflanzen hier nicht vom Boden aus nach oben. Sie sind wandgebunden, haben also keinen Boden- und Bodenwasseranschluss und werden durch ein spezielles System vertikal an der Fassade versorgt.


„Stadtbildprägend“: Saniertes Gebäude C10 am Gießener Schwanenteich.
Bild © THM


Die Begrünung trägt laut THM unter anderem dazu bei, das Mikroklima zu verbessern, Feinstaub zu binden und Lebensraum für verschiedene Tiere zu bieten. Begrünte Hochhäuser gebe es in Deutschland „keine Handvoll“, schätzt die Hochschule.

Erhalten wurde dabei bewusst auch die originale gelbliche Klinkerfassade des Hauses, die wieder aufbereitet wurde. Sie stammt laut THM aus den Gail’schen Tonwerken, einem ehemaligen bedeutenden Keramikunternehmen aus Gießen, und steht damit für ein wichtiges Kapitel Gießener Industriegeschichte. Durch die Weiternutzung der Steine habe man zudem Rohstoffe gespart.

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Fassadenbegrünung weiter selten

Viele Kommunen fördern Begrünungsvorhaben, auch bei Privathäusern. Während Dachbegrünungen inzwischen weit verbreitet sind, haben Vertikalbegrünungen allerdings weiterhin Seltenheitswert, insbesondere bei Hochhäusern.
Bekannte Beispiele für grüne Fassaden in Hessen sind etwa der Eden Tower in Frankfurt und das Grüne Haus in Wiesbaden. In Fulda wurde im Mai der sechs Meter hohe bepflanzte „Green Tower“ eingeweiht. In Darmstadt war Architekt Of Hoffmann 1972 mit dem bewachsenen „Baumhaus“ seiner Zeit weit voraus.

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Auch Zwillingsgebäude saniert

Saniert wurde auch das „Zwillingsgebäude“ A10 direkt nebenan, allerdings ohne Begrünung. Beide Hochhäuser seien aufgrund ihrer zentralen Lage „stadtbildprägend“ und für die THM von zentraler Bedeutung, heißt es: Einrichtungen wie Mensa, Bibliothek und Studienberatung, aber auch Hörsäle, Seminarräume und Labore zahlreicher Fachbereiche sind dort untergebracht.

Vor Baubeginn seien die Gebäude noch weitgehend im Originalzustand gewesen, so die Hochschule. Mit dem Ziel einer CO₂-neutralen Landesverwaltung sei dieser Zustand nicht vereinbar gewesen. Zeitweise habe man sogar einen Abriss in Betracht gezogen.

„Aus pragmatischen Gründen, aber vor allem aus Nachhaltigkeitsaspekten war eine Sanierung die bessere Entscheidung“, sagt Professor Dirk Metzger, THM-Vizepräsident für strategische Bauplanung und Nachhaltigkeit. Man wolle das abgeschlossene Projekt nun als „Blaupause“ auch für andere künftige Sanierungsmaßnahmen nutzen.

Wand mit  grünen Pflanzen


An der Wand wachsen verschiedene Stauden wie Storchschnäbel.
Bild © THM


Vorbild für weitere Sanierungen

Verantwortet hat das Projekt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen. Hartmut Jegodzinski, Leiter der LBIH-Niederlassung Mitte, erklärte: „Die Sanierung von Gebäude C10 der Technischen Hochschule Mittelhessen zeigt, wie Ressourceneffizienz und Klimaschutz im Bestand gelingen können.“

In Kombination mit der bereits installierten Abwasserwärmenutzungsanlage verbessere das Projekt die CO₂-Bilanz der Hochschule spürbar.

Beauftragt mit der Planung wurde das Architekturbüro HHS Planer + Architekten AG aus Kassel. Für die Fassadenbegrünung wurde laut THM ein Fachplanungsbüro hinzugezogen, das das System zur Bewässerung und Nährstoffversorgung entwickelt habe.

Photovoltaik auf Dach und Fassade

Im Zuge der Modernisierung erhielt das Hochhaus außerdem Vordächer sowie eine breite Freitreppe und einen Plattformlift als barrierefreien Zugang zum Campusplatz.

Außerdem wurden auf dem Dach und an Teilen der Fassade Photovoltaik-Module zur Stromerzeugung angebracht. Das Dach wurde ebenfalls begrünt.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahme liegen bei 17,83 Millionen Euro, von denen die THM 786.000 Euro selbst trägt. Die überwiegende Summe stamme aus dem „CO₂-Minderungs- und Energieeffizienzprogramm Hochschulen“ (COME-HS) sowie aus dem hessischen „Hochschul-Entwicklungs- und Umbauprogramm“ (HEUREKA).

Minister lobt „Schlüsselprojekt“

Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) lobte das Projekt bei der Eröffnung am Donnerstag. Die Sanierung und energetische Ertüchtigung des Gebäudes seien ein „Schlüsselprojekt“ und hätten „Modellcharakter“.

Es sei genau das, was man mit dem Landesprogramm „COME – Hochschulen“ erreichen wolle: dauerhaft den Energieverbrauch senken, die CO₂-Emissionen reduzieren und die Qualität der Landesgebäude verbessern. Wie hoch die geplante Einsparung an der THM ist, dazu gab es am Donnerstag keine Angaben.

„Mit dem Projekt leistet die THM einen wichtigen Beitrag, um die Klimaschutzziele des Landes Hessen zu erreichen und unseren Gebäudebestand fit für die Zukunft zu machen.“

Bibliothek zeitweise geschlossen

Während der gut zweijährigen Bauarbeiten wurde die überwiegende Zahl der Lehrveranstaltungen an anderen Orten angeboten. Labore blieben bis auf kleinere Einschränkungen geöffnet.

Insbesondere die Bibliothek war von den Arbeiten betroffen und musste schließen. Bis zum Start des Wintersemesters solle sich der Betrieb im Gebäude C10 wieder weitgehend normalisieren, teilte die THM mit.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/gruen-bis-in-den-zehnten-stock-giessen-hat-jetzt-ein-bepflanztes-hochhaus-v1,fassadenbegruenung-thm-giessen-100.html

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