Träger von Hilfseinrichtungen in Hessen warnen die Politik davor, bei den aktuellen Diskussionen um Sicherheit und Verteidigung soziale Einrichtungen aus dem Blick zu verlieren. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft sei in Gefahr, wenn Beratungsstellen, Pflege oder Jugendhilfe vernachlässigt würden.
Deutschland rüstet auf. Doch die Freie Wohlfahrtspflege warnt, dies könne zulasten des Sozialstaates gehen.
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Die Debatte über Deutschlands Verteidigungsfähigkeit darf nach Ansicht der Freien Wohlfahrtspflege nicht zulasten des Sozialstaats gehen. Deren hessischer Vorstandschef Markus Juch fordert, militärische und soziale Sicherheit gleichermaßen zu stärken.
„Verteidigungsfähigkeit und soziale Sicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagt Juch der Deutschen Presse-Agentur.
Hintergrund sind der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Sorge vor weiteren Aggressionen Moskaus. Deutschland rüstet deshalb militärisch auf und will seinen Wehrdienst stärken.
Sorge um Pflege und Jugendhilfe
Juch stellt die Notwendigkeit einer stärkeren Verteidigung nicht infrage. „Deutschland braucht eine leistungsfähige Verteidigung“, sagte er. Gleichzeitig brauche es aber auch „eine starke soziale Infrastruktur“.
Er verwies dabei unter anderem auf die Pflege, die Kinder- und Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe und Beratungsstellen. Auch Einrichtungen für Menschen in schwierigen Lebenslagen leisteten täglich einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Warnung vor falschen Prioritäten
Gerade Krisenzeiten zeigten, dass gesellschaftliche Stabilität nicht allein von militärischer Sicherheit abhänge, sagte Juch. Sie entstehe auch dort, wo Menschen soziale Sicherheit und Unterstützung fänden, Familien entlastet würden und gesellschaftliche Teilhabe möglich sei.
Wenn Investitionen in soziale Einrichtungen dauerhaft hinter anderen politischen Prioritäten zurückblieben, könne das nach Einschätzung Juchs den Zusammenhalt der Gesellschaft langfristig schwächen.
„Zwei Seiten derselben Medaille“
Die entscheidende Frage sei deshalb nicht „Verteidigung oder Sozialstaat?“, betonte der Wohlfahrtsverbandschef. Vielmehr müsse die Herausforderung darin bestehen, beide Bereiche gleichermaßen zu stärken.
„Soziale Sicherheit und äußere Sicherheit sind keine Gegensätze – sie sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagte Juch.
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hessische-sozialverbaende-warnen-vor-folgen-des-aufruestungskurses-v1,wohlfahrt-forderung-ruestung-sozialstaat-100.html




