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Hochschule Darmstadt: Schulabgänger können sich in sozialem Orientierungssemester selbst testen

Hochschule Darmstadt: Schulabgänger können sich in sozialem Orientierungssemester selbst testen

Die Entscheidung für einen Studiengang erweist sich bisweilen als falsch. Manche brechen dann ab, andere ziehe es trotzdem durch. Um es nicht soweit kommen zu lassen, gibt es an der Hochschule Darmstadt „DasDoris!“, ein Orientierungssemester für soziale Berufe.

Der eine oder die andere mit Hochschulvergangenheit kennt das vielleicht noch aus eigener Erfahrung: Nach dem Abitur möchte man studieren, glaubt so ungefähr zu wissen, was einem liegt, merkt aber nach zwei, drei Semestern, dass es das eben nicht war.

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||Zoe Bünning

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Also Studienabbruch, neuer Versuch mit einem anderen Fach und von vorne anfangen. Oder sich durchquälen und noch weitere Semester mit etwas beschäftigen, was man eigentlich gar nicht will – nur um es zu Ende zu bringen.

Erstmal ein halbes Jahr lang ausprobieren

Damit genau das nicht passiert, gibt es an der Hochschule Darmstadt (HDA) „DasDoris!“ – das Darmstädter Orientierungssemester für soziale Berufe. Sechs Monate lang können Studierende mit Hang zur sozialen Arbeit ausprobieren, ob sie wirklich auf dem richtigen Weg sind.

Sich einzugestehen, dass dem nicht so ist, sei in einem „normalen“ Studiensemester mit einer gewissen Hemmschwelle verbunden, sagt Mara Wahl, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HDA. Sie hilft bei der Planung und Koordination des Projekts. Für soziale Arbeit sei es bislang einmalig in Deutschland.

Aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen

Das Orientierungsprogramm setze vor der Entscheidung an, sagt Wahl. „Im Sinne von: Nimm dir doch die Zeit, wenn du gar nicht so sicher bist, ob du das überhaupt möchtest, und guck einfach mal ein halbes Jahr rein.“ In einem Werbeflyer heißt es: „Mach aus Deinen Fragezeichen ein Ausrufezeichen!“

Neben der Theorie sollen drei Praktika helfen, den Interessierten noch stärker zu vermitteln, ob eine soziale Tätigkeit ihren Neigungen entspricht. Menschen, die in diesem Bereich bereits berufstätig sind, kommen an die Hochschule und erzählen aus ihrem Arbeitsalltag.

„Bei mir gab es so etwas leider nicht“

„Bei mir gab es so etwas leider nicht“, sagt etwa Annette Stoll. Sie hatte zunächst angewandte Geowissenschaften studiert, bis sie merkte, dass das nichts für sie war. Sie brach das Studium ab. Heute arbeitet sie bei der Jugendförderung der Stadt Griesheim (Darmstadt-Dieburg).

Bei „DasDoris!“ ist sie als Gast. Erzählt von ihrer Arbeit, möchte aber auch Werbung für ihren Beruf machen. Denn auch dort fehlen die Fachkräfte. „Wir merken auf unseren Treffs manchmal, dass es ganz schön schwierig ist, Leute zu finden“, sagt sie. „DasDoris!“ unterstütze sie gerne. Denn gebraucht würden qualifizierte Menschen, die sich für den Beruf begeistern können.

„Berufsorientierung kommt in der Schule zu kurz“

Lea Friedrich ist 20 Jahre alt und Teilnehmerin des Projekts. Für sie war früh klar, dass sie beruflich etwas Soziales machen möchte. Durch ehrenamtliche Tätigkeit hat sie bereits Erfahrung in der Arbeit mit Kindern. „Mein Best-Case-Szenario ist, dass ich danach genau weiß, was ich will“, erklärt sie zu Beginn des Semesters.

Friedrich findet, dass die berufliche Orientierung in der Schule zu spät und zu kurz kommt. „Berufsfindung war erst ab der 12. Klasse ein Thema“, sagt sie. Unter anderem mit dem Besuch von Berufsmessen. Ihre persönliche Tendenz gehe in Richtung klinische Sozialarbeit. Sie habe aber auch andere berufliche Interessen.

Als „komplett unentschlossen“ outet sich der 19-jährige Tim Hesse, der im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht hat. „Ich wollte mich auf keinen Studiengang festlegen und mir erstmal Orientierung holen“, sagt er. Er hat ein Seminar zum Thema Betreuung traumatisierter Menschen belegt und ist überrascht, dass auch das in den Bereich soziale Arbeit – und nicht Psychologie – fällt.

„DasDoris!“ als Forschungsprojekt

„DasDoris!“ ist auch ein Forschungsprojekt der Hochschule, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Angela Weinzierl-Ramette erklärt. „Uns interessiert: Wer sind die Menschen, die daran teilnehmen? Was sind die Bedürfnisse? Wo gibt es Defizite? Wie ist die Bildungsbiografie?“

Es habe sich gezeigt, dass ein Großteil der Teilnehmer aus akademisch geprägten Familienhäusern komme. „Unser Ziel ist es, eine heterogene Gruppe zu erreichen, also auch Jugendliche aus den sogenannten bildungsfernen Milieus.“

Kooperation mit anderen Netzwerken

Weinzierl-Ramette räumt ein, dass das Orientierungssemester auch finanziert werden muss. Denn BaFÖG gibt es dafür nicht. Deshalb sei man in Kooperation mit Projekten wie Arbeiterkind.de, einem Netzwerk, das junge Menschen aus nicht-akademischen Familien beim Studium unterstützt und begleitet.

Das Orientierungssemster sei ergebnisoffen, betont Weinzierl-Ramette. Es gehe nicht darum Studierende, für die Hochschule oder Auszubildende für Wohlfahrtsverbände zu rekrutieren, sondern Tätigkeitsfelder so authentisch wie möglich darzustellen. „Die Hauptfrage ist: Was interessiert mich? Was für ein Lerntyp bin ich?“

Praktika sind anrechenbar

Die im Orientierungssemester absolvierten Praktika kann man sich auch anrechnen lassen. Laut Hochschule als sogenannte Credit Points beim späteren Studium oder als Sozialassistenzjahr bei manchen Ausbildungen im sozialen Bereich wie etwa in der Erziehung oder der Heilpflege.

Bewerben können sich junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife auf der Webseite von „DasDoris!“. Das Orientierungssemester startet immer im April und im Oktober. Bewerben kann man sich jeweils bis zum 15. März und bis zum 1. September.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hochschule-darmstadt-schulabgaenger-koennen-sich-in-sozialem-orientierungssemester-selbst-testen-v1,dasdoris-100.html

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