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Hochschule Fulda: Neues Babykopf-Modell soll Hebammen-Studium verbessern

Hochschule Fulda: Neues Babykopf-Modell soll Hebammen-Studium verbessern

Im Hebammen-Studium werden Tastübungen bei Schwangeren vorgenommen. Ein neu entwickelter Babykopf erlaubt Studierenden in Fulda eine bessere Vorbereitung auf Entbindungen. Das Modell ist bundesweit einmalig.



Hebammen-Studentin Lena Schuster (li.) und Praxis-Referentin Tanja Maierhof führen an der Hochschule Fulda eine Tastübung an einem Schwangeren-Modell durch. Ein neu entwickelter künstlicher Babykopf soll den Studierenden bessere Lernmöglichkeiten geben.
Bild © hr, Collage: hessenschau.de


Bevor es intim wird, fragt Lena Schuster erst mal um Einverständnis. Auch wenn es nur eine Übung mit einer Puppe ist. Die Fuldaer Studentin der Hebammenkunde hockt vor einem Kunststoff-Puppenteil, das modellhaft den Unterkörper einer Schwangeren darstellt.

Schuster beginnt: „Hallo Frau Müller, ich würde jetzt bei Ihnen die vaginale Untersuchung durchführen. Ist das okay?“ Nachdem ihre Dozentin Tanja Maierhof – stellvertretend für die Patientin – zugestimmt hat, tastet Schuster zwischen den Beinen der Frau nach einem künstlichen Babykopf im Inneren des Modells.

Videobeitrag

Eine Frau (unscharf im Hintergrund) hält eine Säuglingspuppe und ein rosafarbenes Objekt, das der Fontanelle eins Babykopfes ähnelt, in die Kamera.

Ende des Videobeitrags

Wertvolle Erfahrungen beim Üben

Bei der Übung in einem Raum der Hochschule Fulda kann die Studentin den Geburtsfortschritt kontrollieren, die Lage des Babys und Details am Schädel ertasten. „Diese Erfahrungen zu machen, ist sehr wertvoll, bevor wir als Lernende später in Kontakt mit den Schwangeren kommen“, sagt Lena Schuster.

Die 21-Jährige ist im zweiten Semester für Hebammen-Kunde an der Hochschule Fulda – einem der größten Studien-Standorte in Hessen. Jedes Jahr beginnen hier 70 neue Studierende.

In dem Raum erinnert die Ausstattung an einen Kreißsaal wie in Kliniken. Es gibt Krankenhausbetten, sogar eine Wanne zur Entbindung im Wasser und alle möglichen Gerätschaften aus der Geburtshilfe. In dem Trainingslabor sollen sich die Studierenden Handlungssicherheit holen.

Hebammen Hochschule Fulda


Studentin Lena Schuster (li.) und Hebammen-Dozentin Tanja Maierhof stehen vor einem Bett mit einer Schwangeren-Modellpuppe.
Bild © Jörn Perske (hr)


Bundesweit einmaliges Modell

Dabei soll alles so authentisch wie möglich sein. Auch bei den Modellen, mit denen geübt wird. Und dabei ist der Hochschule nach eigenen Angaben eine bundesweit einmalige Neu- und Weiterentwicklung gelungen: in Form eines Neugeborenenkopfes aus Silikon.

In der Schwangeren-Puppe können die Studierenden nun nach einem Silikon-Teil tasten, das dem Kopf eines Neugeborenen von der Beschaffenheit her erstaunlich ähnelt, wie die Hochschule erklärt.

Schuster sagt: „Man kann hier viel besser Strukturen wie die Fontanellen ertasten.“ Das sind weiche, noch nicht verknöcherte Bindegewebslücken zwischen den Schädelknochen eines Babys.

Hebammen Hochschule Fulda


Hebammen-Studentin Lena Schuster von der Hochschule Fulda zeigt das neue Babykopf-Modell (li.) und ein herkömmliches Modell im Vergleich. Das neue Silikon-Modell erlaubt es den Studierenden, feinere Details ertasten zu können.
Bild © Jörn Perske (hr)


Nachteile beim 3D-Druck-Modell

Es gab natürlich schon Babyköpfe aus Kunststoff. Aber mit denen waren sie in Fulda nicht zufrieden. Bei einer Fachtagung wurden sie auf eine Idee der Hochschule Bielefeld aufmerksam. Sie veröffentlichte Daten, damit man einen Babykopf-Dummy im 3D-Drucker anfertigen kann.

Doch die Fuldaer Hebammen-Praxisreferentin Maierhof war auch damit nicht ganz glücklich: Der 3D-Druck sei zu hart und entspreche nicht der tatsächlichen Haptik eines Babykopfes. Und das war nicht das einzige Problem: Der Druck sei auch kostspielig, und die Kopf-Modelle würden beim Üben schnell verschleißen. Ohnehin hätten die Hebammen keinen Zugriff auf 3D-Drucker und könnten sich nicht mal eben ein neues Modell erstellen, erklärt Maierhof.

An der Hochschule Fulda wurde dann in einer interdisziplinären Kooperation von Forschungsrichtungen eine Lösung erarbeitet. Marius Schultheis, Labor-Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik, entwarf eine Negativ-Form. Damit können die Köpfe einfach und verhältnismäßig günstig aus Silikon gegossen werden, wie er erläutert. Der etwa untertassen-große Babykopf fühlt sich samtig weich an.

Hebammen Hochschule Fulda


Marius Schultheis, Labor-Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule, zeigt sein entworfenes Babykopf-Modell am Computer.
Bild © Jörn Perske (hr)


Interesse von anderen Hochschulen

Die Hochschule Fulda will ihr Wissen mit anderen Institutionen teilen: Sie profitierte ja selbst vom Ansatz der Kollegen in Bielefeld. Mittlerweile haben sich Hochschulen aus München und Augsburg wegen des Babykopf-Modells made in Fulda erkundigt.

In Fulda wenden sie ihr Silikon-Guss-Konzept auf weitere Teile an. So ist etwa das Modell eines Muttermunds entstanden, den Studierende für Tastübungen nutzen können. Für Hebammen-Studentin Schuster sind das alles große Hilfen: „Ich kann besser vorbereitet in meine Praxisphase starten.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hochschule-fulda-neues-babykopf-modell-soll-hebammen-studium-verbessern-v1,hebammen-studium-100.html

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