Wirtschaft

Immer mehr Menschen überschuldet: Wie Daniel aus der Schuldenfalle rauskommt

Immer mehr Menschen überschuldet: Wie Daniel aus der Schuldenfalle rauskommt

Krankheit, Arbeitsplatzverlust, Trennung oder zuviel Shopping auf Raten: Immer mehr Menschen bekommen ihre Ausgaben nicht mehr in den Griff. Auswege aufzeigen kann eine Schuldnerberatung – aber auch hier heißt es: Genau hinsehen.

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Dass Daniel Hilfe braucht, wird ihm vor etwa einem Jahr klar. „Ich war nur noch am Bezahlen, Bezahlen, Bezahlen und hatte selbst nichts mehr zum Leben“, erzählt der 32-jährige Lohnbuchhalter, der eigentlich anders heißt, heute. Hinter ihm liegen schwierige Monate.

„Jugendsünden“: Autos und Shopping mit geliehenem Geld

Begonnen hat Daniels Verschuldung mit Jugendsünden, wie er es nennt. Ein Kredit für ein Auto, zwei Kreditkarten zum Shoppen, Urlaube, neue Böden, Möbel und Einrichtung für das erwartete Baby. Alles bezahlt mit Geld, das er sich nach eigenen Angaben nur geliehen hat.

Als die Schulden unübersichtlich wurden, habe er umgeschuldet, dafür einen größeren Kredit aufgenommen und jeden Monat viel Geld an eine Bank gezahlt. Doch der Schuldenberg sei nicht geschrumpft, weil die Raten fast komplett für die Zinsen draufgingen.

Mit der Trennung fing die Abwärtsspirale an

Als sich Daniel dann von seiner Partnerin trennte, habe für ihn eine Abwärtsspirale begonnen: Er musste eine eigene Wohnung finanzieren und Unterhalt für die gemeinsame Tochter bezahlen.

Er habe psychisch sehr unter den Folgen der Trennung gelitten, wie er sagt. Schließlich wird er krankgeschrieben. „Plötzlich konnte ich nicht mehr bezahlen, wovon ich am Anfang dachte, das sollte kein Problem sein.“ Er hat 60.000 Euro Schulden.

Nach sechs Wochen Krankschreibung kann es eng werden

Was Daniel beschreibt, sind für den langjährigen Schuldnerberater Peter Jähne die häufigsten Faktoren für Überschuldung: Krankheit, Arbeitsplatzverlust und Trennung.

Ein Kipppunkt könne häufig schon sein, nach sechs Wochen Krankschreibung ins Krankengeld zu rutschen und damit nur noch zwei Drittel des Nettoeinkommens zu bekommen. „Wenn der Haushalt mit Krediten anders kalkuliert ist, reicht das oft schon aus, dass das alles nicht mehr hinhaut“, sagt Jähne, der für die Schuldnerberatung im Kreis Bergstraße Betroffene berät.

Er versucht den Menschen zu Beginn der Beratung die Sorgen zu nehmen. „Es gibt oft die Angst, ich komme ins Gefängnis, werde verhaftet oder das steht im Führungszeugnis“, so der Berater. Diese Befürchtungen kann der Sozialpädagoge schnell zerstreuen.

Wieder mehr Menschen überschuldet

Dabei ist dem Schuldnerberater wichtig zu betonen, dass bei ihm auf dem Stuhl Bürgergeldempfänger, aber auch Menschen mit 3.500 Euro Nettoeinkommen, über 80-jährige und ganz junge Betroffene sitzen.

Die Zahl derer, die als überschuldet gelten, steigt in Deutschland zum ersten Mal seit 2018 wieder an. Laut dem Schuldneratlas 2025 der Wirtschaftsauskunft Creditreform sind fast 5,7 Millionen Erwachsene in Deutschland überschuldet, zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

In Hessen ist die Überschuldungsquote demnach in Offenbach (14 Prozent), Wiesbaden (12,8 Prozent) und Kassel (12,8 Prozent) am höchsten – dort haben also gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Erwachsene dauerhaft höhere finanzielle Verpflichtungen als sie Geld zur Verfügung haben.

Steigende Mieten und Altersarmut sind Schuldentreiber

Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen, so die Einschätzung von Melanie Marysko, der Leiterin des Jobcenters Neue Wege Kreis Bergstraße und der dort ansässigen Schuldnerberatung.

Rund 380 Erwachsene habe ihr Team im vergangenen Jahr beraten. Stark gestiegene Mieten und das Thema Altersarmut machten ihr dabei besondere Sorgen. „Wir haben immer mehr ältere Menschen, bei denen die Rente nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können“, erklärt sie.

Bedarf an Schuldnerberatungen steigt weiter

Auch sei es immer einfacher möglich, Geld auszugeben, etwa durch Internetshopping direkt vom Sofa aus und mit Angeboten, die Rechnungen erst später zu bezahlen. Auch deswegen gehe sie absehbar von einem steigenden Bedarf an Schuldnerberatungen aus.

Bei der kostenfreien Schuldnerberatung im Kreis Bergstraße beträgt die Wartezeit auf die eigentliche Beratung nach einem Erstgespräch derzeit sechs Monate. Droht Strom, Wasser oder Internet abgestellt zu werden, werde direkt geholfen, so der Kreis.

Vorsicht: Schuldnerberatung kann auch teuer werden

Auch Daniel musste auf den Beginn seiner kostenlosen Beratung warten. Zeit, die er aber im Rückblick nach eigenen Angaben gerne in Kauf nahm. Denn als er bei einem privaten Schuldnerberater anfragte, hieß es, er müsse für die Beratung 1.500 Euro bezahlen.

Kein Einzelfall, auch die Verbraucherzentrale Hessen warnt vor teuren oder unseriösen Angeboten zur Schuldnerberatung. Sie rät, sich immer zu Beginn über mögliche Kosten zu informieren. Beratungsangebote, die ausschließlich online angeboten würden, sollten die Hilfesuchenden meiden.

Der Weg raus aus den Schulden

Daniel ist inzwischen in Privatinsolvenz gegangen. „Ich fühl mich viel besser“, sagt der 32-Jährige, der nun nicht mehr jeden Monat abwägen muss, welche Rechnung er zuerst bezahlt.

Drei Jahre lang wird das Insolvenzverfahren dauern. „Dann kann ich bei null anfangen und vieles besser machen“, so die Hoffnung des 32-jährigen Vaters.

Weitere Informationen

Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz ist ein Verfahren für Menschen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Es dauert in der Regel drei Jahre, wird von einem Treuhänder begleitet und endet – wenn alle Regeln eingehalten wurden – mit einer Restschuldbefreiung, also dem Erlass der restlichen Schulden.

Während der drei Jahre muss die betroffene Person arbeiten, oder sich um eine Arbeit bemühen. Ein Einkommen wird an den Treuhänder abgeführt, der Betroffene darf keine neuen Schulden machen.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/immer-mehr-menschen-ueberschuldet-wie-daniel-aus-der-schuldenfalle-rauskommt-v1,schuldnerberatung-ueberschuldung-100.html

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