Wirtschaft

Laden am Bordstein: Kassel testet neue Ladepunkte für E-Autos

Laden am Bordstein: Kassel testet neue Ladepunkte für E-Autos

Statt einer klassischen Ladesäule soll künftig der Bordstein selbst zum Ladepunkt für E-Autos werden. In Kassel werden solche Ladebordsteine jetzt getestet. Die Technik könnte in bestimmten Regionen interessant sein – hat aber auch Grenzen.

Karte dran, Klappe auf, Kabel rein – und schon wird das E-Auto geladen. In Kassel soll das künftig an zwei besonderen Ladepunkten möglich sein: Die Ladetechnik steckt nicht in einer klassischen Säule, sondern direkt im Bordstein.

Der Vorteil: Die Ladeinfrastruktur fällt deutlich weniger auf. „Gerade in Bereichen, wo wir von Denkmalschutz oder auch stadtästhetischen Bedenken geprägt sind, dort würden wir natürlich eher auf diese Alternative setzen“, sagt Margarethe Heirich von den Städtischen Werken Kassel.

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02:18 Min.
||hr


Strom aus der Bordsteinkante

Eine in den Bordstein eingelassene Steckdose

Bild © hr


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Innovative Technik mit wenig Platzanspruch?

Zunächst handelt es sich um einen Test, wie die Stadt mitteilt. Die beiden Ladepunkte stehen in der Goethestraße im Vorderen Westen. Dort finden gerade gleichzeitig Bauarbeiten für eine Fahrradstraße statt.

„Wer auf ein Elektroauto umsteigen möchte, muss es im Alltag unkompliziert laden können. Die neuen Ladebordsteine zeigen, wie innovative Technik zusätzlichen Komfort schaffen kann, ohne mehr Platz im Straßenraum zu beanspruchen“, sagt Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne).

Ob weitere Ladebordsteine hinzukommen, soll auch von der Nachfrage abhängen. Die Städtischen Werke investieren nach eigenen Angaben rund 3.000 bis 4.000 Euro in einen Bordsteinanschluss. Damit ist die Lösung etwas teurer als ein herkömmlicher Ladepunkt.

Große Unterschiede bei Anzahl der Ladepunkte

Nach Angaben der Stadt Kassel gibt es derzeit ingesamt 310 Ladepunkte im öffentlichen Raum. Weitere 18 Ladepunkte sind für 2026 geplant. Die Ladepunkte in Kassel verteilen sich auf 130 Standorte, an weiteren 45 Standorten ist eine entsprechende Infrastruktur in Planung.

Eine Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur und des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) durch den Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigt: Das Angebot öffentlicher Ladepunkte ist innerhalb Hessens seht unterschiedlich. In Kassel kamen demnach Mitte 2025 nur 10,8 Elektroautos auf einen Ladepunkt, in Offenbach waren es 37,5. Damit lag Kassel auf dem ersten Platz.

„Kassel ist beim Ausbau der Ladeinfrastruktur ganz vorne dabei – und wir wollen, dass das so bleibt. Die neuen Ladebordsteine sind dafür ein starkes Beispiel“, sagte Stadtklimarätin Simone Fedderke (Grüne). Die Städtischen Werke haben diese nach eigenen Angaben bewusst in einem Wohngebiet gebaut, in dem die meisten Bewohner über keine Stellplätze und eigene Wallboxen zum Laden verfügen.

Zahl der E-Autos wächst weiter

Hessenweit wächst die Zahl der Elektroautos und damit auch der Bedarf an Ladesäulen. Zum 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt über 179.000 reine Elektroautos in Hessen zugelassen. Bis Juli stieg die Zahl nach Angaben der Landesinitiative „Strom bewegt“ auf fast 209.000. Im August 2026 gab es nach Angaben der Bundesnetzagentur insgesamt 16.324 öffentliche Ladepunkte im Land.

Beim Verhältnis von E-Autos zu öffentlichen Ladepunkten liegt Hessen allerdings nicht an der Spitze. Laut dem Verband der Automobilindustrie kamen zum 1. Juli 2025 rechnerisch 18,7 Elektroautos auf einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt. Damit lag Hessen auf Platz 13 des Länderrankings.

Ladebordsteine haben auch Nachteile

Ganz ersetzen können die Ladebordsteine klassische Ladesäulen nach Einschätzung eines Experten nicht. „Ich glaube nicht, dass sich das überall durchsetzen wird. Ich glaube, es ist eine robuste Variante für enge Innenstädte“, sagt Jens Friebe, Leider des Fachgebiets Leistungselektronik an der Uni Kassel. Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass die integrierten Systeme teurer seien – sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Wartung.

Die derzeit angebotenen Systeme für Bordsteine liefern 11 oder 22 Kilowatt und eignen sich damit vor allem für langsameres Laden. Für eine höhere Ladeleistung sind sie bislang nicht ausgestattet.

Wer eine klassische Ladesäule aufrüsten will, kann das vergleichsweise einfach machen. Bei den Ladepunkten an den Bordsteinen gestaltet sich das schwieriger. „Dann kann ich natürlich mit Systemen, wo ich eine Ladesäule habe, das einfacher ergänzen, indem ich einen anderen Aufbau draufsetze, statt die Bordsteine neu ausheben zu müssen und erweitern zu müssen, tiefer graben zu müssen, um eine höhere Leistung abzudecken“, erklärt Friebe.

Anwohner sehen die neue Technik skeptisch

Auch bei den Anwohnern in Kassel fällt die Reaktion auf die neue Technik gemischt aus. „Ein Bordstein passt, finde ich, optisch schöner als so eine Ladesäule hinzustellen“, sagt Simon Becker.

Andere sorgen sich vor allem darum, dass die Ladepunkte leicht übersehen werden könnten. Blätter, Matsch, Schnee, Fahrräder und der Autoverkehr könnten die kleinen Ladeeinheiten verdecken oder beschädigen. „Irgendwie müsste man das besser kennzeichnen, dass da welche sind“, sagt Anwohnerin Renate Burgmann.

Hersteller verspricht robuste und wetterfeste Systeme

Der Hersteller Rheinmetall verspricht, dass die Ladebordsteine robust und wetterfest sind. Ein Anwohner bleibt dennoch skeptisch: „Das sieht zwar praktisch aus, aber wenn einer drüberfährt, nimmt es auch Schaden“, sagt Anwohner Andreas Dinges.

Ob sich das Konzept über Kassel hinaus durchsetzt, dürfte deshalb nicht nur eine Frage der Optik sein. Entscheidend werden auch Kosten, Wartung, Ladeleistung und die Nachfrage nach den neuen Ladepunkten sein. Auch in Düsseldorf, Dortmund, Leipzig, Mönchengladbach und Bamberg wird das System bereits an einigen Stellen getestet.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/laden-am-bordstein-kassel-testet-neue-ladepunkte-fuer-e-autos-v1,ladepunkte-bordstein-e-auto-100.html

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