Wirtschaft

Neue Kreisstraße bei Wolfhagen sorgt für Ärger: „Fünfzig-fünfzig, dass wir umkippen“

Neue Kreisstraße bei Wolfhagen sorgt für Ärger: „Fünfzig-fünfzig, dass wir umkippen“

Mehr als eine halbe Million Euro hat die Sanierung einer Kreisstraße bei Wolfhagen gekostet. Doch statt Erleichterung gibt es massive Kritik: Landwirte fürchten mit ihren schweren Maschinen umzukippen, Hessen Mobil will nachbessern.

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Bild © hr


Ende des Videobeitrags

Genau 3,30 Meter breit ist die neue Fahrbahn der Kreisstraße 103 zwischen Philippinenthal und Philippinenburg – das haben Landwirte nachgemessen. Beide bilden zusammen einen Stadtteil von Wolfhagen (Kassel). Für die Begegnung zwischen einem Traktor und einem Auto wird es hier schon eng.

Die Straße ist gerade erst für rund 550.000 Euro saniert worden. Schmal war sie vorher schon. Doch Anwohner, Landwirte und der Ortsbeirat kritisieren vor allem eine Erhöhung der Fahrbahn.

Denn die liegt 40 Zentimeter oberhalb der Felder rechts und links von der Straße. Der Seitenstreifen fällt schräg ab.

Bus oder Traktor drohen umzukippen

Besonders knifflig wird die Situation, wenn Traktor und Linienbus die Straße gleichzeitig nutzen wollen. Weicht eines der schweren Fahrzeuge auf den unbefestigten Seitenstreifen aus, neigt es sich nach Einschätzung der Landwirte gefährlich zur Seite. Es drohe umzukippen.

Dazu kommt: Das Material ist noch nicht richtig verdichtet. Fahrzeuge und Menschen sinken darin tief ein.

Füße mit Arbeitsschuhen stehen auf einem geschotterten Seitenstreifen. Der Untergrund ist weich, ein Fuß ist deutlich eingesunken. Im Hintergrund eine kleine Landstraße.


Sogar Fußgänger sinken in den weichen Seitenstreifen ein.
Bild © Isabell Kramer (hr)


Landwirt: „Als Radweg top“

Vor allem Traktoren und ihre Anhänger hinterlassen in dem weichen Kalkschotter tiefe Spuren. Auch wenn sie gar nicht beladen sind. Bei Landwirt Michael Kuropka fährt deshalb oft ein mulmiges Gefühl mit, wenn er die Straße nutzt. Die Wahrscheinlichkeit, bei voller Ladung umzukippen, liege bei fünfzig-fünfzig, sagt er.

Seit der Sanierung der Straße fährt sein Kollege Heiko Holzhauer mit Trecker und Anhänger nicht mehr auf seine Wiesen – zu gefährlich. „Wenn ich schräg reinfahre, ist ein Rad oben, das andere unten und das war’s: Dann liegen wir auf der Seite.“

Mit seinen Kühen sei er deshalb schon gar nicht mehr zu den Wiesen gefahren. Außerdem fehlen sämtliche Zufahrten auf die Felder.

Eine schmale Straße. Ein Mann tritt mit Arbeitsschuhen in den weichen Untergrund neben der Fahrbahn. Im hintergrund Felder und ein Hügel mit Bäumen.


Landwirt Heiko Holzhauer: „Wenn ein Schulbus entgegenkommt ist das lebensgefährlich!“
Bild © Isabell Kramer (hr)


„Wir haben keine Chance“, sagt Holzhauer. Teilweise stünden in den Einfahrten Leuchtpfeiler. Ein Vorbeikommen mit den großen Maschinen sei unmöglich. „Als Radweg top, aber nicht für landwirtschaftliche Maschinen“, lautet sein Fazit. Kritisch sieht er auch den Begegnungsverkehr auf der Fahrbahn: „Wenn ein Schulbus entgegenkommt, ist das lebensgefährlich!“, sagt er.

Auch Landwirt Michael Döhne hält die Straße derzeit für „ein Verkehrsrisiko“. Sein Mähdrescher ist 3,49 Meter breit. „Da kann noch nicht einmal eine Katze neben mir herlaufen“, so Döhne. Vorher konnte man als Landwirt auf anliegende Flächen ausweichen. Das geht jetzt laut Döhne nicht mehr.

Eine schmale Straße über Land. Ein Traktor. Rechts ein weiterer Traktor auf einem Feld.


3,30 Meter ist die Straße breit – fährt hier ein Mähdrescher passt nichts daneben.
Bild © Isabell Kramer (hr)


Begegnung von Autos auch eng

Nicht nur Landwirte haben Probleme mit der neuen Kreisstraße. Auch Autofahrer kommen nur aneinander vorbei, wenn sie auf den weichen Seitenstreifen ausweichen. Dabei hinterlassen sie vor allem bei Regen ihre Spuren.

Ortsvorsteher Benjamin Relke ärgert vor allem, dass die Anwohner in den Ortsteilen nicht gefragt wurden. Und das, obwohl man das Gespräch gesucht habe. „Man hätte das klären können, bevor wieder alle meckern“, sagt er.

Eine schmale Straße über Land. In der Mitte steht ein Mann. Im Hintergrund weitere Menschen und Traktoren. Rechts Häuser.


Ortsvorsteher Benjamin Relke: Gespräch gesucht, aber nicht gehört worden.
Bild © Isabell Kramer (hr)


Seit zwei Wochen ist die K 103 freigegeben. Relke hofft jetzt, dass Hessen Mobil Rasengittersteine auf dem Seitenstreifen verlegt und ihn damit befestigt.

Hessen Mobil will nacharbeiten

Saniert wurde die Straße von der Landesbehörde Hessen Mobil im Auftrag des Landkreises Kassel. Fachdezernent Martin Riehl betreut und koordiniert den Streckenbau in Nordhessen für die Behörde. Man nehme die Kritik ernst und werde in Abstimmung mit dem Landkreis Kassel nacharbeiten, erklärte er bei einem Ortstermin.

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Auf einer engen Straße kommen sich ein Traktor und ein Auto in die Quere, weil die Fahrbahn zu schmal ist.

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Grund für die Sanierung war der schlechte Zustand der Kreisstraße. Der Landkreis Kassel hat sich laut Riehl für eine Erhaltungsmaßnahme entschieden und diese bei Hessen Mobil beauftragt. Aufgrund der Verkehrsbedeutung und -belastung habe man entschieden, die Straße in den vorhandenen Grenzen auszubauen.

Auch Zuwege zu Feldern und Wiesen geplant

Dabei wurde die neue Straße auf der vorhandenen Unterkonstruktion aufgebaut. Daher komme die Höherlegung, so Riehl. Damit das Oberflächenwasser ablaufen könne, müssten die Seiten tiefer liegen.

Dass die Seitenstreifen so weich sind, sei allerdings nicht geplant. Man habe die Bankette wegen der trockenen Witterung nicht wie üblich verdichten können, erklärt Riehl. Deshalb werden die Seitenstreifen noch einmal nachgebessert. Auch Zuwege zu den Feldern und Wiesen für die Trecker sollen geschaffen werden. Wann das sein wird, ist aber noch unklar.

Der Landkreis wollte sich zu der Sanierungsmaßnahme nicht äußern und verwies auf Hessen Mobil.

Immerhin: Neues Ersatzteil für Hydranten

Immerhin wurde ein Mangel schnell behoben: Ein Hydrant der Feuerwehr bekam ein aufgeschraubtes Ersatzteil. Der Hydrant war nach der Sanierung nicht mehr erreichbar gewesen, weil er zu tief in der Fahrbahn lag.

Die Landwirte hoffen jetzt auf die Nacharbeiten von Hessen Mobil, damit sie die Straße wieder für ihre Arbeit nutzen können.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/neue-kreisstrasse-bei-wolfhagen-sorgt-fuer-aerger-fuenfzig-fuenfzig-dass-wir-umkippen-v1,sanierung-kreisstrasse-wolfhagen-100.html

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