Kultur

Nik Huber aus Nieder-Roden baut Gitarren für Metallica, Toten Hosen & Co.

Nik Huber aus Nieder-Roden baut Gitarren für Metallica, Toten Hosen & Co.

Kirk Hammett von Metallica spielt eine, ebenso Musiker der Scorpions, der Toten Hosen und der Foo Fighters: Seit 30 Jahren baut Nik Huber in Rodgau E-Gitarren. Was macht eine kleine hessische Manufaktur zur international gefragten Adresse für Rockstars? Ein Besuch.

Ein Stück Holz, grob zugeschnitten, ohne Lack und Glanz. Nik Huber dreht es im Licht. „Wurzelahorn aus Vancouver“, schwärmt er mit Blick auf die Wirbel und Flammen in der Maserung. „Unfassbar schön. Wir machen nur Beize drauf. Den Rest hat die Natur gemacht.“

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04:42 Min.
|Melanie Aschenbrenner

Bild © hessenschau.de|
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Über drei Jahrzehnte hat Huber aber viel dafür getan, dass solche Bretter ihren Auftritt bekommen. Rund 5.600 Gitarren hat seine Rodgauer Firma nach eigenen Angaben inzwischen gebaut, zuletzt etwa 300 im Jahr, mit klingenden Namen wie Orca, Surfmeister und Krautster.

Zwei unlackierte Gitarren-Korpusse liegen in der Werkstatt von Nik Huber auf einer Werkbank


Sie sehen schon fast aus wie Gitarren, es fehlt aber noch einiges!
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Ein Rocker wird „Holzwurm“

Dabei wollte Huber selbst auf die Bühne. „Gescheiterter Rockstar, der Holzarbeiter geworden ist“, beschreibt er sich flapsig. In den 1990ern war er mit diversen Rockbands unterwegs, seit rund 25 Jahren spielt er Gitarre bei der Coverband Melibokus.

Das Handwerk liegt jedoch in der Familie: Vater, Opa und Uropa waren Schreiner, und schon Vater Huber baute hobbymäßig Instrumente. Nach seiner Pensionierung besuchte der einen E-Gitarrenbaukurs auf der spanischen Insel Formentera. Nik tat es ihm gleich. Danach war klar: „Ich wollte nur noch mit Gitarren zu tun haben.“

Foto eines Fotos, das Nik Hubers Vater beim hobbymäßigen Bau einer Gitarre zeigt.


Niks Vater war zuerst Schreiner, dann Pilot. Hobbymäßig baute er schon Gitarren, auch für Nik.
Bild © privat


„Jede Gitarre auseinandergerissen“

Das heißt damals learning by doing: Fachliteratur zum E-Gitarrenbau gibt‘s Anfang der 1990er kaum, das Internet praktisch auch nicht. „Ich hab‘ losgelegt, jede Gitarre, die ich hatte, auseinanderzureißen“, lacht Nik Huber. 1994 lernt er den bekannten US-Gitarrenbauer Paul Reed Smith kennen, der Mentor, Lehrer und Freund wird.

Sechs fertige E-Gitarren warten an einer Wand hängend auf den Versand in alle Welt.


Ready to rock! Die vordersten zwei Gitarren gehen nach Hongkong.
Bild © Tanja Küchle/hr


Zwei Jahre später macht Huber sich in Rodgau im Kreis Offenbach selbstständig. Zunächst lebt er vor allem von Reparaturen, eigene Instrumente entstehen nebenbei. Schon 1997 stellt er auf der Frankfurter Musikmesse aus.

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Wie funktioniert eine E-Gitarre?

Anders als eine Akustikgitarre hat eine E-Gitarre Saiten aus Metall. Wenn man sie anschlägt, schwingen die Saiten über sogenannten Tonabnehmern (den Pickups). Diese wandeln die Schwingungen in elektrische Signale um. Die Signale werden über ein Kabel an einen Verstärker geschickt, der den Ton laut hörbar macht. So entsteht der typische Klang einer E-Gitarre.

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Die Mitarbeitenden von Gitarrenbauer Nik Huber im Gruppenfoto an der Werkstatt-Pinnwand


Das Team von Nik Huber: Gruppenfoto an der Werkstatt-Pinnwand.
Bild © privat


Aus Rodgau an die Spitze

Aus der kleinen Werkstatt ist heute eine Manufaktur mit 20 Mitarbeitenden geworden. Nachfrage für die Instrumente mit dem klaren Ton ist da: Klaus Meine von den Scorpions, Andreas ‚Kuddel‘ von Holst von den Toten Hosen, Darryl Jones (Rolling Stones), Musiker von den Foo Fighters, Billy Talent und The Hives sind stolze Besitzer.

Gitarrenbauer Nik Huber zeigt den Hals einer Scorpions-Special Edition-Gitarre, mit dem Titel "Rock Believer" als Intarsire im Griffbrett.


Rock Believer: Den Hals der Scorpions Signature-Gitarre für Klaus Meine ziert der Albumtitel als Perlmutt-Einlage.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Holz für mehr als eine Hütte

Das vielleicht wichtigste Kapital der Firma liegt derweil still in den Regalen: Mahagoni, Ahorn, Redwood und seltene, teils geschützte (aber zertifizierte) Hölzer, manche seit den 1990ern. Für Holz gilt: je länger die Lagerzeit, desto besser. Was diese Bretter wert sind? „Ein schönes Häuschen“, schmunzelt der Gitarrenbauer.

Beschnittene Holzstücke im Lager von Nik Huber, auf Regal Holzstücke mit Aufschrift "Kirk Hammett".


Schätze im Holzlager von Nik: zum Beispiel das Holz für die Kirk Hammett-Serie.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Spektakuläre Maserung erhöht den Preis, die Klangqualität aber nur bedingt. Für eine coole, schwarze Rock-Gitarre, wie Huber sie auch baut, braucht man solches Holz nicht. Im High-End-Bereich spiele die Optik jedoch eine entscheidende Rolle, wie bei einer Rolex: „Es ist ein sehr emotionales Produkt.“ Und manche Gitarren kosten so viel wie ein Kleinwagen.

Hightech statt blutiger Daumen

Handwerk bedeutet in Nieder-Roden nicht, dass jede Rundung mit dem Schnitzeisen entsteht. Huber hat noch Werkzeuge seines Großvaters, aber wo er früher mit „blutigen Daumen“ Gitarrendecken formte, arbeiten heute CNC-Fräsen, computergesteuert.

Solche Maschinen erledigen einen Teil der groben Präzisionsjobs und ermöglichen Einlagen aus Perlmutt und Silber, fein wie Goldschmiedearbeit. Danach wird wieder von Hand geschliffen und die endgültige Form herausgearbeitet.

Nik Huber zeigt in seiner Werkstatt einen Gitarrenhals mit Bünden und Einlegearbeiten.


Bund und glücklich! Bei so filigranen Einlegearbeiten hilft die CNC-Fräse.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Ein Surfbrett wird Gitarre

Wie viel Abenteuerlust in den Gitarren steckt, zeigt die Idee mit den Bienenwaben: Huber stieß auf eine Surfbrett-Konstruktion, bei der das Holz innen wabenförmig ausgefräst wird, um es leichter zu machen. Das Prinzip übertrug er auf ein Instrument für Whitesnake-Mitgründer Bernie Marsden.

„Er war total begeistert“, erinnert sich Huber. „Er hat sie mit seiner alten 1959er Les Paul verglichen, Spitzname ‚The Beast‘.“ Inzwischen wurden rund 100 Instrumente mit Wabenstruktur gebaut, so auch die Gitarre von Kirk Hammett. Patentieren ließ Huber sie nicht: „Ich finde, das Patent sollten die Bienen haben.“

Frisch aus dem Lackierraum: eine Gitarre mit gelbschwarzer "Tigeraugen"-Optik.


Frisch aus dem Lackierraum: ein Korpus mit „Tiger Eye“-Optik.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Wenn Hammett eine Huber spielt

Dass einer der berühmtesten Metal-Gitarristen der Welt nun „eine Huber“ hat, ist nicht unbemerkt geblieben: Die ersten Instrumente der Serie sind schon vorreserviert.

Noch erfüllender sei aber, seine Instrumente auf Platte, in Songs oder live zu hören. Eine Gitarre bleibe schließlich ein Werkzeug für die Künstler, die darauf Musik machen. „Jetzt fehlt nur noch Paul McCartney!“

Gitarrenbauer Nik Huber in seinem Holzlager mit einem Korpus-Rohling.


Aus solchen Rohlingen werden Gitarren. Links: Holz für die Klaus Meine-Gitarren, rechts: seltenes Redwood.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


„Jeden Tag mein liebstes Hobby“

Bis zur Endabnahme wird in der Werkstatt geschliffen, bundiert, lackiert, poliert und gelötet. Wenn Elektronik, Mechaniken und Saiten montiert sind, kommt der letzte Check. Dann nimmt der Chef selbst die Gitarre zur Hand, schließt sie an und spielt.

Ein blau gebeizten und lackierter Gitarrenkorpus mit geflammter Maserung, schon signiert, vor der Endmontage.


Eine ‚Krautster III‘ kurz vor der Endmontage. „Natur ist der schönste Designer“, sagt Nik.
Bild © Melanie Aschenbrenner/hr


Darüber ist Gitarren-Nerd Huber zum Arbeitgeber geworden. „Man muss einen gewissen Berufswechsel vollziehen wollen. Geschäft, Geld, Arbeit, Steuern, Führung“, beschreibt er, der sich immer noch coachen lässt, die Lernkurve zum Unternehmer.

Leitmotiv sei die permanente Entwicklung: „Die nächste Gitarre soll immer die bessere sein.“ Und: „Ich darf hier jeden Tag mein liebstes Hobby machen.“

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Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/nik-huber-aus-nieder-roden-baut-gitarren-fuer-metallica-toten-hosen–co-v1,nik-huber-gitarren-rockstars-100.html

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