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Oberurseler Pfarrer Andreas Unfried gibt Amt auf und will heiraten

Oberurseler Pfarrer Andreas Unfried gibt Amt auf und will heiraten

Der offene Brief eines katholischen Pfarrers im Taunus sorgt für Aufsehen: Der Geistliche erklärt darin seinen Rücktritt – wegen seiner Beziehung mit einer Frau. Nun will er heiraten.

Sonntagabend in der Liebfrauenkirche in Oberursel (Hochtaunus): Eigentlich sollte hier ein Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Unfried stattfinden. Die Kirche gehört zur Pfarrei Sankt Ursula in Oberursel und der Nachbargemeinde Steinbach. Statt des Pfarrers Unfried trat allerdings Diakon Mathias Wolf vor die Gemeinde in der Liebfrauenkirche und verkündete: Pfarrer Unfried komme nicht, er habe auf die Pfarrei verzichtet.

Was für manche überraschend war, hatten einige vorher schon gehört. Denn Pfarrer Unfried hatte am Wochenende in einem offenen Brief auf der Homepage der Pfarrei seinen Rücktritt verkündet – und den Grund dafür offen angegeben: Er werde heiraten. Zuerst hatte die Bild darüber berichtet.

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02:25 Min.
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Pfarrer gibt Priesteramt für die Liebe auf


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Pfarrer: „Zeit für zweite Berufung gekommen“

Seit vielen Jahren lebe er heimlich in einer Beziehung mit seiner „großen Liebe“, erklärte Unfried in seinem Brief. Jetzt spüre er, dass die Zeit gekommen sei, „dieser zweiten Berufung nachzukommen“. Die Konsequenz sei zwingend und ihm bewusst: eine Suspendierung vom priesterlichen Amt.

„Es war mir immer klar, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt“, so Unfried weiter. Er habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, müsse aber anerkennen, dass er „dieses Charisma nicht wirklich“ in sich trage.

Er sei mit ganzem Herzen Seelsorger, Pfarrer und über viele Jahre auch Funktionsträger in der Ortskirche Limburg gewesen. Er sei der Kirche dankbar, dass sie sein Talent „in so reicher Weise erkannt und gefördert“ habe. Er scheide ohne Groll aus dem Amt aus. „Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin“, betonte Unfried.

Vogelperspektive auf Altstadt von Oberursel (Hochtaunus) mit der katholischen Pfarrkirche St. Ursula


Wahrzeichen der Stadt Oberursel (Hochtaunus): die weithin sichtbare St. Ursula Kirche mit ihrem Turm Hohe Wacht
Bild © Stadt Oberursel (Hochtaunus)


„Nun ruft mich die Liebe zu der Frau“

Nach 37 Jahren quittiert der Pfarrer nun also seinen Dienst und hält fest: „Ich hätte diese 37 Jahre aber auch nicht durchgehalten, wenn ich mir nicht der Unterstützung meiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können.“ 

Es sei Zeit, nun die Gewichtungen anders zu verteilen, weil seine Lebensgefährtin nun im Ruhestand sei und auch für ihn „das Ende der beruflichen Tätigkeit“ nahe gekommen sei. Seine „große Liebe“ habe lange auf ihn gewartet. „Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug“, erklärte Unfried und unterstrich: „Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile.“ 

Verständnis und Bedauern

Das Bistum reagierte mit Verständnis auf Unfrieds überraschenden Rücktritt. „Wir respektieren die persönliche Entscheidung von Pfarrer Andreas Unfried und danken ihm für sein jahrzehntelanges Engagement“, erklärte Bistumssprecher Stephan Schnelle.

In einem Schreiben des Bistums, aus dem Diakon Wolf am Sonntagabend in der Liebfrauenkirche vorlas, wird das Wirken von Pfarrer Unfried gewürdigt und eine vorläufige Vertretung angekündigt.

Die Gläubigen in der Kirche reagierten mit Stille – oder etwas Flüstern. Auch hier zeigten viele Verständnis für Unfrieds Entschluss. „Ich finde, er hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es für ihn sinnvoll ist“, sagte eine Gottesdienstbesucherin der hessenschau. „Ich kann das auf jeden Fall akzeptieren und respektieren.“

„Für mich ist es ein Verlust“, bedauerte ein anderes Gemeindemitglied. „Wir kommen regelmäßig sonntags aus Frankfurt-Niederursel hierher. Wir schätzen seine Predigten und seine Art.“ Eine andere Gottesdienstbesucherin hätte sich gewünscht, dass die katholische Kirche den Zölibat schon längst abgeschafft hätte: „So verliert die Kirche nämlich wichtige und wertvolle Leute.“

Reformbewegung „Wir sind Kirche“ kritisiert Zöllibat

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ kritisiert die kirchenrechtliche Verpflichtung katholischer Priester zum Zölibat. Diese sei „himmelschreiend“, sagte Sprecher Christian Weisner. Zugleich dankte er dem Oberurseler Pfarrer Andreas Unfried für dessen Mut zur Ehrlichkeit. Einen solchen Mut wünsche man sich auch von anderen Priestern, sagte Weisner am Montag.

Von dem zuständigen Bistum Limburg erwarte die Reformbewegung, dass für Unfried eine angemessene Aufgabe gefunden werde. Der Fall zeige außerdem, dass die katholische Kirche Männer und Frauen brauche, die priesterliche Dienste übernehmen könnten, damit es auch künftig christliche Gemeinden gebe.

Von dem zuständigen Bistum Limburg erwarte die Reformbewegung, dass für Unfried eine angemessene Aufgabe gefunden werde. Der Fall zeige außerdem, dass die katholische Kirche Männer und Frauen brauche, die priesterliche Dienste übernehmen könnten, damit es weiter christliche Gemeinden gebe.

Rücktritt bei Workshop mit Bischof verkündet

Offiziell verkündet hatte Unfried seinen Rücktritt bereits am Samstag, als Bischof Georg Bätzing wegen eines „Zukunftsworkshops“ vor Ort war. Nachdem Unfried sein Statement verlesen hatte, sei der gesamte Saal aufgestanden, habe minutenlang applaudiert und seine Solidarität mit ihm bekundet, berichtete ein Mitglied der Gemeindeverwaltung. Bischof Bätzing suspendierte Unfried daraufhin – wie in solchen Fällen üblich – mit sofortiger Wirkung. Der Bischof habe von der heimlichen Liebesbeziehung vorher nichts gewusst, erklärte das Bistum.

Doch wie geht es nun weiter in der Gemeinde Sankt Ursula? Zunächst soll es einen sogenannten Pfarrverwalter geben, um dann die Stelle für einen neuen Pfarrer auszuschreiben.

Unfried habe die Gemeinde sehr geprägt, betonte Carsten Trumpp aus der Gemeindeleitung. Die Gemeinde, die sich selbst als progressiv betrachte, habe Unfried stets unterstützt. „Das ist etwas, was uns fehlen wird“, bedauerte Trumpp. Man sei aber auch zuversichtlich. Unfried selbst erklärte, er wolle sich in den kommenden Monaten noch von allen persönlich verabschieden.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/oberurseler-pfarrer-andreas-unfried-gibt-amt-auf-und-will-heiraten-v2,pfarrer-schmeisst-fuer-liebe-hin-100.html

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