Miete zu hoch, Umsätze gehen zurück: Der „Buchladen am Markt“ in Offenbach zählt zu den besten Deutschlands – auch dieses Jahr ist er dafür ausgezeichnet worden. Trotzdem muss er schließen. Eine Petition soll den Laden retten.

Sarah Stemmler und Felix Sauer sind Stammkunden im Buchladen am Markt.
Bild © hr/Milena Pieper
Der Buchladen am Markt am Vormittag: Immer wieder kommen neue Kundinnen und Kunden, stöbern in der Auslage oder holen ein bestelltes Buch ab. Das Telefon klingelt – erst eine weitere Buchbestellung, dann der Wunsch nach Beratung bei der Suche nach einem Geschenk für einen Krimiliebhaber. Es wirkt, als ob das Geschäft brummt.

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Aber der Schein trügt: Mit dem Buchhandel ist hier Ende des Jahres Schluss. „Wir müssen schließen, weil sich unsere Miete in den letzten sieben Jahren jährlich erhöht hat“, sagt Inhaberin Andrea Tuscher. Seit sie den Laden vor fast 15 Jahren übernommen hat, habe sich die Miete mehr als verdoppelt.

Andrea Tuscher muss ihren Traum vom Buchladen aufgeben.
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Dem entgegen stehen die Buchpreise, die wegen der Buchpreisbindung deutlich weniger gestiegen sind. Hinzu kommt ein geringerer Umsatz. Das Interesse an Büchern sei weiter da, aber die Käufe würden weniger. „Das Buch ist zu einem Luxus geworden“, so Tuscher.
Petition soll Buchladen retten
Sarah Stemmler und Felix Sauer wollen das nicht hinnehmen. „Wir können uns ein Offenbach ohne den Buchladen am Markt nicht vorstellen“, sagen sie. Deshalb haben sie eine Petition gestartet. Sie wollen, dass die Stadt das Haus kauft und günstiger vermietet. Dafür haben sie bereits mehr als 6.000 Unterschriften gesammelt.

Der Buchladen am Markt ist einer von zwei Buchläden in Offenbach, die nicht zu einer großen Kette gehören.
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Die beiden wohnen direkt um die Ecke, kommen oft vorbei und kaufen regelmäßig Bücher. „Ich habe hier schon als Schüler gejobbt“, sagt Felix Sauer. Er hat zufällig erfahren, dass der Laden zumachen muss. „Ich war so sauer und so traurig, dass wir gesagt haben, wir starten jetzt diese Petition.“
Dabei geht es ihnen nicht nur um die persönliche Verbindung zum Laden. „Offenbach droht einen total wichtigen Kulturort zu verlieren, wo Leute zusammenkommen, Veranstaltungen und Lesungen stattfinden“, sagt Sarah Stemmler. Dieser Ort sei wichtig fürs Stadtleben.
Hohe Mieten, weniger Geld für Ausgaben
Dass er nun in Gefahr ist, steht für Sarah und Felix exemplarisch für eine Entwicklung in der Offenbacher Innenstadt: Durch Gentrifizierung und hohe Mieten würden Angebote aus der Stadt verdrängt.
Dass es der Einzelhandel schwer hat, bestätigt auch Frank Achenbach von der IHK Offenbach. Auch wenn die Mieten in diesem Bereich – anders als bei Mietwohnungen – nicht erheblich höher geworden seien, blieben sie auf einem hohen Niveau.
Im Fall von Staffelmietverträgen wie beim Buchladen am Markt stiegen sie sogar regelmäßig, während die Menschen in Offenbach durch eine relativ hohe Inflation weniger Geld übrig hätten, um es im Einzelhandel auszugeben.
Eigentümer entscheiden über Zukunft des Einzelhandels
Immobilieneigentümer hätten deshalb eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Innenstädte. „Sie entscheiden mit darüber, ob bestehende Konzepte bleiben oder sich neue ansiedeln können“, so Achenbach.
Die Stadt Offenbach sagt auf hessenschau-Anfrage, sie könnte prüfen, ob sie das Haus kauft. Dafür müsste der Eigentümer aber verkaufen wollen und das sei aktuell nicht der Fall. Außerdem müsse sich ein Kauf mit Steuergeld für möglichst viele Offenbacher lohnen. In der Innenstadt stellten sich dabei die Fragen: „Wo fängt man an? Wo hört man auf?“.
Sie sicherte allerdings zu, dass die Wirtschaftsförderung mit dem Eigentümer darüber sprechen werde, ob eine Lösung für die Miete gefunden werden kann. Und: Die Wirtschaftsförderung werde versuchen, alternative Flächen für den Buchladen zu finden. Das sei allerdings nicht leicht.
Schwerer Abschied

In diesem Laden ist seit fast 40 Jahren eine Buchhandlung. Für viele Offenbacher gehört sie zum Wilhelmsplatz dazu.
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Inhaberin Andrea Tuscher fällt der Abschied schwer. „Dieser Buchladen war mein Traum. Jetzt muss ich bald meine Mitarbeitenden entlassen.“ Sie glaubt nicht recht daran, dass die Petition noch etwas daran ändern kann. „Für mich ist es vielleicht zu spät. Ich hoffe aber, dass sich die Situation für andere in Zukunft verbessern wird.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/offenbach-petition-soll-buchladen-retten-v1,buchladen-vor-dem-aus-100.html

