Wenn Frauke Brosius-Gersdorf, Otto Waalkes und Riccardo Simonetti sich am gleichen Ort herumtreiben, kann das nur eines heißen: Es ist Buchmesse! Die Highlight-Termine des Samstags haben wir hier für Sie gesammelt und zusammengefasst.
Wann ist ein Mann ein Mann? Auf der Buchmesse wird in diesem Jahr viel über Männlichkeit diskutiert – zum Beispiel am Samstag auf der ARD-Bühne von ARD, ZDF und 3sat. Dort ging es außerdem um Langzeitbeziehungen und immer wieder um die Sorge um den Rechtstaat. Wir haben die wichtigsten Gespräche und Termine des zweiten Besuchertags für Sie zusammengefasst.
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03:34 Min.|Julia Hercka
Talks und Inhalte auf der Literaturbühne
Eröffnet wurde die Literaturbühne am Vormittag von Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk und dem CDU-Politiker Ruprecht Polenz. Moderatorin Natascha Freundel brachte sie in einen Austausch zu den Themen Fake News, Faschismus und Social Media. Rund 30 Prozent der Menschen seien für Fakten gar nicht mehr ansprechbar, so Kowalczuk. „Wir sollten uns mit denen beschäftigen und die mit unserer Aufmerksamkeit unterstützen, die die Demokratie stärken wollen.“
Die Haltung, es gebe nur mein Lager, alle anderen sind Feinde, habe sich breit in die politische Kultur eingeschlichen. „Die Faschisten können sich zurücklehnen und zuschauen, wie das Unsagbare nun sagbar wird.“ Wenn Menschen der Unterschied zwischen wahr und falsch nicht mehr interessiere, seien sie der ideale Untertan, sagte Ruprecht Polenz. „Das liberale System der Wahrheitsfindung soll unterminiert werden, etwa durch Trump, der die Wissenschaft angreift. Bücher lesen hilft dagegen. Social Media eher nicht.“
Polenz wie auch Kowalczuk plädierten für mehr Freude und Menschlichkeit. „Faschisten lassen sich mit guter Laune und positiven Narrativen ärgern“, so Kowalczuk. „Wir leben trotz allem in einem sehr tollen Land und sollten voller Freude das Beste daraus machen und es verteidigen.“ Polenz schlug dazu noch mehr Dankbarkeit vor. „Bitte bedanken Sie sich. Mindestens zehn Mal am Tag. Wir wären alle nicht mehr so muffelig wie bisher!“

Philosophin und Journalistin Svenja Flaßpöhler
Bild © picture alliance/dpa/Kessler-Sportfotografie | Jürgen Kessler
Die Autorin und Philosophin Svenja Flaßpöhler hat sich in ihrem neuen Buch „Plädoyer fürs Zusammenbleiben“ mit dem Thema Langzeitbeziehungen auseinandergesetzt. Beim Talk auf der ARD-Bühne betonte sie, dass es „den Richtigen“ nicht gebe. Vielmehr müsse man immer wieder aktiv „ja“ zum anderen sagen.
Das sei gar nicht so leicht, weil wir heutzutage Freiheit mit Ungebundenheit verbinden würden. „Aber die Vielfalt der Optionen stresst uns und lässt uns nie richtig ankommen. Und ankommen wollen wir doch alle.“ Der Philosoph Søren Kierkegaard habe sie zu ihrem neuen Buch inspiriert, und das, obwohl Kierkegaard selbst nie verheiratet war.

Riccardo Simonetti auf der Frankfurter Buchmesse.
Bild © Jeannie Lukaszewicz (hr)
Entertainer und Autor Riccardo Simonetti diskutierte am frühen Samstagnachmittag mit Zukunftsforscher Tristan Horx und Moderatorin Christine Watty über Männlichkeit – eines der großen Themen dieser Buchmesse. Für sein neues Buch hat er mehr oder weniger prominenten Männern die Frage gestellt, wann genau ein Mann ein Mann ist. Über sich selbst sagt er auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat: „Das Männlichste an mir ist mein Bartwuchs.“
Ansonsten sei die Frage nach der Männlichkeit immer von außen an ihn herangetragen worden, erzählte Simonetti – meist verbunden mit dem Vorwurf „kein richtiger Junge“ oder „kein richtiger Mann“ zu sein. Dabei änderten sich die gesellschaftlichen Bilder von Männlichkeit schnell. „Das Normal von heute kann schnell das Merkwürdig von morgen sein.“
Er habe kein Problem mit dem traditionellen Männerbild, sagte Simonetti. Er wolle aber zeigen, dass es Alternativen gebe: „Es wird Männern nichts weggenommen. Es wird nur Platz am Tisch geschaffen für andere Menschen“, so der 33-Jährige. Männer könnten lernen, dass auch sie davon profitieren, wenn sie nicht immer dem Bild vom starken Ernährer entsprechen, der keine Gefühle hat.

Martin Suter stellt auf der Buchmesse seinen neuen Roman vor.
Bild © Carolin Glomp (hr)
Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter besucht zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder die Buchmesse in Frankfurt, um sein neues Buch „Ein und Alles“ vorzustellen. „Als ich das letzte Mal hier war, waren die Säle nicht so voll wie heute“, sagte er auf der ARD-Bühne. „Das ist ein schönes Gefühl.“
Sein neuestes Werk ist eine Mischung aus Kriminalfall und Liebesgeschichte: Ein Mann verschwindet. Zunächst ist seine Frau beunruhigt, aber dann erhält sie Zeichen, die nur von ihm stammen können. Suter beschäftigt sich in dem Roman mit der Frage des kollektiven Bewusstseins.
„Was wäre wenn“ sei immer die magische Frage, die sich ein Geschichtenerzähler stelle, sagte Suter am Samstag. Diesmal habe er sich gefragt: „Was wäre, wenn das Bewusstsein etwas Außenstehendes ist, von dem uns wie in einem unendlichen Meer nur eine kleine Welle zur Verfügung steht?“
Er selbst habe diese Art der Gedankenübertragung mit seiner Frau Margrith erlebt. Das Paar war rund 45 Jahre zusammen, bevor sie 2023 überraschend verstarb. „Wenn man so lange zusammen ist, wird der Unterschied zwischen „Du“ und „Ich“ immer kleiner. Ich kann zum Beispiel kaum diese Schuhe bewerten, ohne sie mit den Augen von Margrith zu sehen.“

Zu Gast bei Moderatorin Jagoda Marinić (links) waren am Samstag auf der Buchmesse Frauke Brosius-Gersdorf (Mitte) und Christina Clemm.
Bild © hr
Zwei Juristinnen, zwei Bücher zu gesellschaftlich wichtigen Themen: Beim täglichen Talkformat „Sheroes“ haben am Nachmittag die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf und die Strafverteidigerin Christina Clemm ihre Bücher vorgestellt. Brosius-Gersdorf arbeitet in „Wahl und Wahrheit“ ihre gescheiterte Wahl zur Verfassungsrichterin auf und Clemm fordert in „Ein ungehaltenes Plädoyer“ die Eindämmung von Gewalt nicht den Gerichten zu überlassen, denn „Gewalt geht uns alle an, auch wenn es im Gericht nur um Einzelfälle geht“.
Beide Juristinnen eint bei aller Kritik die Überzeugung, wie wichtig der Rechtsstaat ist. Sie teilten die Besorgnis darüber, dass er von mehreren Seiten angegriffen werde und ein strukturelles Problem habe. „Diese Richterwahl wurde politisiert und die Politik und damit die Demokratie waren nicht wehrhaft genug“, so Brosius-Gersdorf.
Sie forderte mehr Schutz gegen Fake-News und eine Klarnamenpflicht für Social-Media-Kanäle. Clemm forderte dazu auf, Gewalt umfassend gesamtgesellschaftlich zu benennen und sie zu beenden. Das sei der Weg, Faschismus und Sexismus zu beenden. „Wer weiß, vielleicht haben wir dann in ein paar Jahren das Patriarchat abgeschafft.“

Christoph Kramer stellt auf der Buchmesse seinen zweiten Roman vor.
Bild © Carolin Glomp (hr)
Seit er sechs ist, spielt er jeden Tag Fußball, wurde Profi und Weltmeister. Kein Wunder, dass Christoph Kramer Angst hatte vor dem Fußball-Abschied. Doch er hat eine neue Beschäftigung gefunden und mit „Wolkenberührpunkt“ bereits seinen zweiten Roman geschrieben. Den stellte er auf der Buchmesse vor.
„Schreiben ist für mich wie Meditieren“, sagte Kramer. „Ich verarbeite dabei alles.“ Inspiriert zu seinem neuen Buch haben ihn Begegnungen mit Jugendlichen bei Lesungen in Schulen. „Mir wurde klar, was für ein scheiß Glück ich hatte – nicht nur, weil ich Profifußballer geworden bin“, erklärte er. Deshalb erzähle er im Roman von dem „nicht so leichten Leben“ eines jungen Mannes, der erst als Teenager erfahren hat, dass er adoptiert wurde.
„Bei dem ganzen Gegeneinander in der Politik vergessen wir eine ganze Generation von Jugendlichen, die dringend eine Perspektive brauchen“, mahnte Kramer. Bevor er sich an den nächsten Roman macht, will er erst mal abwarten, wie das Publikum auf „Wolkenberührpunkt“ reagiert: „Wenn alle sagen ‚Kramer, geil!‘, dann liefere ich auch“, versprach er. „Das mit dem Schriftsteller, das meine ich schon ernst.“
In den vergangenen Jahren haben die Moderatorinnen – und Freundinnen – Christine Westermann und Mona Ameziane vor Publikum oder in ihrem gemeinsamen Podcast über fast alles gesprochen. Die großen Fragen des Lebens haben sie dabei bewusst ausgelassen. In ihrem Buch „Wann wusstest du, dass es gut wird?“ widmen sie sich nun auch den schweren Themen. Am Vormittag erzählten sie bei einer ausgebuchten Signierstunde davon.
Der diesjährige Philippe Sands“}]}“>Friedenspreisträger Philippe Sands gab sich am Stand der S. Fischer Verlage für ein Meet&Greet die Ehre, Komiker Otto Waalkes stellte sein erstes Kinderbuch „Karl, der kleine Ottifant“ vor.
Ein Schmankerl der besonderen Art gab es auf der Matsuri Stage: Takeo Ischi, auch bekannt als jodelnder Japaner, gab eine Kostprobe seines Könnens.

Der „jodelnde Japaner“ Takeo Ischi auf der Frankfurter Buchmesse.
Bild © Jeannie Lukaszewicz (hr)
Immer ein Highlight auf der Buchmesse: die Bekanntgabe des Jugendworts des Jahres durch den Pons Langenscheidt Verlag. Der Gewinner diesmal: „Ragebait“.
Ex-Fußballprofi Christoph Kramer signierte am Samstag Bücher für seine Fans – genauso wie die BookTok-Lieblinge Lilly Lucas, die 2025 zur BookTok-Autorin des Jahres gewählt wurde, und Liz Tomforde, Autorin der „Windy Cities“-Reihe.
Kinder kamen am zweiten Publikumstag auch voll auf ihre Kosten: Es gab Signierstunden mit Rolf Zuckowski, dem Regenbogenfisch-Autoren Marcus Pfister und den Original-Puppen der Augsburger Puppenkiste. Illlustrator Axel Scheffler stellte bei einer Lesung außerdem den neuesten Charakter seiner beliebten „Grüffelo“-Reihe vor: die Grüffelo-Oma.

Die „Crime World“ lockt viele Menschen an.
Bild © Christoph Scheffer (hr)
Auch die „Crime World“ in die Halle 5.0 lockte am Samstag wieder viele Besucherinnen und Besucher an. Ob Spurensicherung, Online-Game, Fotobox, Memory oder Escape Game: Hier können Krimi-Fans jeden Alters rätseln, entdecken und selbst ermitteln. Das populäre Genre Krimi wird nicht nur gelesen und angeschaut, sondern hautnah und interaktiv erlebbar mit dem Tatort, den Pfefferkörnern, Stern Crime und dem Podcast „Das Prinzip Mord“.
Schon seit Mittwoch läuft das Lesefest zur Buchmesse Open Books. Am Samstag gab es wieder zahlreiche interessante Veranstaltungen und Lesungen in Museen, Kirchen und an anderen Veranstaltungsorten. Viele gesellschaftspolitische Themen werden verhandelt. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, früh hingehen lohnt sich.
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01:03 Min.|hessenschau.de (Katrin Kimpel)
Im Haus am Dom etwa können Sie mit Frauke Brosius-Gersdorf ab 20 Uhr einen juristischen Blick auf die Debatten unserer Zeit werfen und in der Volksbühne gibt es den Frankfurt-Abend mit Miriam Carbe, Martin Piekar und Artur Becker.
Das ganze Programm von Open Books für den Samstag gibt es hier.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/rechtstaat-fake-news-maennlichkeit-das-waren-am-samstag-die-themen-auf-der-frankfurter-buchmesse–v6,tipps-buchmesse-samstag-2026-100.html




