Weil die Sanierung der Wasserrohre stockt, müssen Bewohnerinnen und Bewohner eines Offenbacher Hochhauses seit Monaten ohne eigenes Bad auskommen. Laut Hausverwaltung wären die restlichen Arbeiten in sechs Wochen erledigt – doch es gibt ein Problem.
Meliha Drprjanin steht in ihrem Badezimmer. Statt auf Fliesen blickt sie auf nackte Betonwände, offene Rohre, Leitungen und Glaswolle sowie Schmutz, der durch die offenen Versorgungsschächte an Boden und Decke ins Bad gelangt.
„Seit Februar haben wir keine Toilette mehr“, berichtet die Bewohnerin eines Hochhauses in Offenbach der hessenschau.

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Meliha Drprjanin wohnt hier in der Kaiserstraße mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Seit knapp acht Monaten fehlt der Familie nicht nur eine Toilette in ihrer Wohnung, sie kann auch ihre eigene Dusche nicht mehr benutzen.

Baustelle seit Februar: Meliha Drprjanin im eigentlichen Badezimmer.
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Die Arbeiten an den Wasserrohren, die Anfang Februar begonnen haben, verzögerten sich. Und seit ein paar Wochen ruht die Baustelle ganz, weil die beauftragte Firmea Insolvenz angemeldet hat.
Gemeinschaftsbad für 32 Wohnungen
„Uns wurde Bescheid gegeben, dass wir zwei, drei Monate keine Toilette haben würden. Aber jetzt ist es Ende September – und wir haben immer noch keine Neuigkeiten“, klagt Meliha Drprjanin.
Wie Familie Drprjanin geht es auch vielen anderen Bewohnerinnen und Bewohnern des Hochhauses. Betroffen von den ruhenden Sanierungsarbeiten sind 32 Wohnungen auf 16 Stockwerken.

In diesem Offenbacher Hochhaus gibt es für 32 Wohnungen derzeit nur zwei Toiletten.
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Seit Baubeginn teilen sich die Betroffenen ein provisorisches Gemeinschaftsbad im Erdgeschoss mit zwei Toiletten und drei Duschen.
Keine getrennten Toiletten
Meliha Drprjanin berichtet von einer „sehr schweren“ Situation. „Wenn man nachts auf Toilette gehen muss, müssen wir uns anziehen und halbwach runtergehen.“ Sie wohnt im 13. Stock, manchmal sei der Aufzug nicht verfügbar – die 24-Jährige denkt an die älteren Menschen im Haus. „Ich weiß nicht, wie die das genau machen.“

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Das größte Problem sei aber, dass die Toiletten nicht getrennt seien, Frauen und Männer nutzten die gleichen Kabinen. Der Zustand der Toiletten sei eine „Katastrophe“. Haare, Dreck und manchmal auch menschliche Exkremente verteilten sich im Sanitärbereich.
Insolvenz stoppt Sanierung
Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Zuständig für das Hochhaus ist die Benz Immobilienverwaltung. „Die Situation ist nicht ideal, das war nie als Dauerzustand geplant“, sagt der Ansprechpartner für das Hochhaus, Dirk Bünau, und versichert: Die Probleme in der Liegenschaft seien „hoch priorisiert“.

Wartet auf Insolvenz-Entscheidung: Immobilienverwalter Dirk Bünau.
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Zu den Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten hätten Probleme beim beauftragten Bauunternehmen geführt. Vor rund einem Monat wurde dann klar, dass die Firma Insolvenz angemeldet hat. „Das verzögert das Ganze jetzt leider noch weiter“, so Bünau. Eigentlich war mit fünf Monaten gerechnet worden.
Insolvenzverwalter entscheidet, wie es weitergeht
Wann die Arbeiten fortgesetzt werden, hänge in erster Linie vom Insolvenzverwalter ab. Dieser hat laut Insolvenzordnung das Wahlrecht, ob er die Baustelle weiterführt oder für beendet erklärt. „Sobald wir von dort die Meldung bekommen, können wir anfangen weiterzuarbeiten“, berichtet Bünau. Sollte das Unternehmen nicht weitermachen, seien schon andere Firmen angefragt.

Offener Versorgungsschacht im Badezimmer bei Familie Drprjanin.
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Die Hausverwaltung schätzt, dass die ausstehenden Sanierungsarbeiten nach rund sechs Wochen erledigt wären, sobald sie denn weitergehen könnten.
Wann die Entscheidung des Insolvenzverwalters kommt, ist unklar. Je länger sich Baustopp und Sanierungsmaßnahmen ziehen, desto länger müssen die Bewohnerinnen und Bewohner die Gemeinschaftstoiletten nutzen.

Wegen Rohrarbeiten ist das Badezimmer im 16. Stock seit Februar eine Baustelle.
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Für diese Variante hätte sich die Hausgemeinschaft vor dem Baustart entschieden, so Bünau. Die Alternative wäre eine Containeranlage auf dem Hof gewesen.
Hausmeister soll für Hygiene sorgen
Die Hausverwaltung sagt, dass sie Missständen in dem Gemeinschaftsbad umgehend nachgehen würde und ein Hausmeisterdienst dort täglich nach dem Rechten sehe. „Wir reagieren schnellstmöglich“, versichert Bünau mit Blick auf Reparaturen, fehlende Teile oder Hygiene.
Um die Hygiene kümmert sich Familie Drprjanin bisweilen selbst. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Mutter die Toiletten als einzige sauber macht“, sagt Meliha Drprjanin. Ihre Mutter wolle das Klo einfach so nicht nutzen, weil es schlicht „ekelhaft“ sei.
Mietminderung – und Hilfe von der Tante
Auch wenn die Zustände weiterhin bescheiden sind, müssen die Bewohnerinnen und Bewohner des Offenbacher Hochhauses die Situation weiter aushalten. Immerhin hat Familie Drprjanin von ihrem Vermieter eine Mietminderung bekommen.

Betroffene im Offenbacher Baustellen-Hochhaus: Meliha Drprjanin.
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Und die 24 Jahre alte Meliha hat eine Alternative gefunden, um die Duschen und Toiletten im Erdgeschoss nicht so oft zu benutzen. „Ich gehe jeden Tag zu meiner Tante – sie wohnt 15 Minuten entfernt mit dem Auto.“
Der tägliche Weg zu ihrer Tante belaste sie zunehmend. Meliha Drprjanin wünscht sich vor allem eines: wieder nach Hause kommen und das eigene Bad nutzen zu können. „Doch das geht halt momentan nicht.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/sanierung-in-offenbach-hochhaus-bewohner-muessen-sich-zwei-klos-teilen-v2,hochhaus-sanierung-100.html

