Mit der Forderung nach einer europäischen Arktis-Strategie hat Ex-Vizekanzler Robert Habeck auf der Buchmesse in Frankfurt sein neues Buch „Arctic Meltdown“ vorgestellt. Er berichtete von seinem „coolen“ Leben als Schriftsteller und unkte über einen frei werdenden Kanzlerjob.

Hinter den Kulissen der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat: Robert Habeck.
Bild © Jeannie Lukaszewicz (hr)
Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist in seinem alten-neuen Leben als Autor angekommen: Es sei „viel cooler“ Schriftsteller als Politiker zu sein, scherzte er am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Er habe jetzt mehr Freiheit als im Job des Vizekanzlers. Politiker zu sein, habe eine andere Faszination.
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00:45 Min.|hessenschau.de (Jan Tussing)
„Man hat halt, wenn es gut läuft, sehr viel Macht und sehr viele Möglichkeiten und das Privileg, in seiner Zeit die Dinge ein Stück weit so zu beeinflussen, wie man denkt, dass sie richtig sind“, sagte er. Damit gehe eine große Verantwortung einher und natürlich auch eine öffentliche Ausgesetztheit.
Als Autor sei er freier und persönlich ungebundener. „Nur eben verzichtet man dann auf die Möglichkeit, die Dinge zu bestimmen.“ Politiker zu sein, sei weniger cool, aber bedeutsam und wichtig. Allen, die überlegten, die Dinge besser machen zu wollen, wünsche er viel Erfolg. „Auf kommunaler Ebene, oder wenn jemand Bundeskanzler von Ihnen werden möchte, da wird wahrscheinlich bald ein Job frei“, scherzte er weiter.
Habeck: Russische Rhetorik radikalisiert sich
Habeck stellte auf mehreren Messe-Bühnen sein neues Buch „Arctic Meltdown: Die Neuvermessung der Welt“ vor. Er habe über die Arktis schreiben wollen, weil er „als politischer Mensch“ nicht aufhören wolle, Dinge zu sehen und zu kommentieren. Die Region sei für China, Russland und die USA ein entscheidender Raum, und keines der drei Länder meine es gut mit Europa. Alle drei wollten die europäische Idee von freien Gesellschaften, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zerstören.

Mag es, analoge Karten in die Luft zu halten: Robert Habeck auf der Bühne des Buchhändlers Thalia.
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Gleichzeitig sei das Schmelzen des Eises der Arktis „eine wahnsinnige Bedrohung für Russland“, da die Eisschicht eine Art Schutzschild für die russische U-Boot-Flotte war. In dieser Sicherheitsstrategie denke Russland die Arktis und die Ostsee zusammen.
Die Rhetorik Russlands in dieser Sache gleiche zunehmend der Rhetorik vor dem Angriff auf die Ukraine, so Habeck. „Es wird einem ein bisschen Angst und Bange deswegen.“
„Politischer Betrieb ist nicht nur lustig“
Europa brauche also dringend eine Arktis-Strategie, und auch Deutschland müsse hier mit einer Stimme sprechen, denn es stehe auch aufgrund seiner Lage besonders im Fadenkreuz Russlands, Chinas und der USA. „Wir können abwarten, dann werden sie Europa zerreißen, oder wir können an der Arktis studieren, wie wir uns aufstellen müssen“, stellte Habeck fest.
Die innenpolitischen Entwicklungen beunruhigten ihn, sagte Habeck weiter. Er verstehe, wenn Menschen mit dem politischen System in Deutschland oder mit den Ergebnissen haderten. Aus seiner Innensicht wisse er, dass es „von innen genauso aussieht, wie es von außen zu sein scheint“. Es ist nicht nur lustig“, sagte er.
„Das sollte aber nicht zu dem Kurzschluss führen, dass man den Gedanken von Demokratie, von Rechtsstaatlichkeit und von Europa aufgibt.“
Habeck: „Was Trump anfasst, macht er kaputt“
Ein Faktor des aktuellen Frusts sei auch die durch Donald Trump und seinen Angriff auf den Iran verursachte Energiekrise, stellte Habeck fest. „Was Trump anfasst, macht er kaputt.“ Jede Energiekrise sorge aber auch für zwei Reaktionen: Effizienz und selbst erzeugte Energie.
Das sei schon in den 1970ern so gewesen und habe zu einem Schub in der Entwicklung der Kernenergie geführt. Jetzt sei die Frage, endete Habeck scherzhaft: „Wer gewinnt? Die Wärmepumpe oder Donald Trump?“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/sie-werden-europa-zerreissen-robert-habeck-fordert-einigkeit-gegen-russland-china-und-usa-v1,robert-habeck-buchmesse-100.html

