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Proteste gegen Schließung der Geburtshilfe in Schwalmstadt

Proteste gegen Schließung der Geburtshilfe in Schwalmstadt

In Schwalmstadt will das Klinikum die Frauenklinik schließen. Hintergrund ist die Krankenhausreform. Im Ort regt sich Protest, die nächste Entbindungsstation ist 30 Minuten entfernt. Im Notfall ist das zu weit, warnt auch der leitende Oberarzt.


Schon zum zweiten Mal protestieren Dutzende Menschen gegen die Schließung der Geburtshilfe am Klinikum in Schwalmstadt
Bild © Isabell Kramer (hr)


Die Nachricht Mitte Juli war für viele Menschen in Schwalmstadt (Schwalm-Eder) eine Hiobsbotschaft: Die Asklepios-Klinik will die Geburtshilfe und Gynäkologie zum Ende des Jahres schließen. Ab Januar kommenden Jahres wird es demnach in der Stadt keinen Kreißsaal mehr geben.

Eine Initiative wehrt sich gegen die Pläne und hat eine entsprechende Online-Petition gestartet. Innerhalb von vier Wochen haben mehr als 8.000 Menschen unterschrieben. Auch zwei Protestkundgebungen hat die Initiative organisiert. Zur zweiten kamen am Samstag rund 150 Menschen, wie der leitende Oberarzt der Frauenklinik schätzt.

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Demo gegen Geburtshilfe-Schließung

Demo gegen Geburtshilfe-Schließung

Bild © hr


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Mohamed Koheil kämpft seit Wochen gegen die drohende Schließung seiner Station mit rund 60 Mitarbeitenden. „Wir reden hier nicht von einer Luxusversorgung – wir reden von einer Grundversorgung“, sagt er. Die Familien hätten ein Recht darauf, dass es eine Frauenklinik in der Region gebe.

Klinik nennt Krankenhausreform als Grund

Die Geschäftsleitung nannte den Schritt in einer Stellungnahme „eine schwere, aber unausweichliche Entscheidung“. Man habe versucht, den Standort langfristig zu sichern, unter anderem durch die Einstellung eines zusätzlichen Oberarztes. Ausschlaggebend gewesen sei die Krankenhausreform mit ihren verschärften Vorgaben für die Geburtshilfe. „Diese umfassen unter anderem strikte personelle, infrastrukturelle sowie organisatorische Anforderungen.“ Mehrere hessische Kliniken hatten gegen die Reform protestiert.

Gleichzeitig haben Berechnungen gezeigt, dass es „zu wenige betroffene Frauen in unserer Region“ gebe, so die Geschäftsführerin Dagmar Federwisch. Ein Antrag auf finanzielle Unterstützung hätte deswegen keine Chance gehabt. Der sogenannte Sicherstellungszuschlag werde nur gewährt, wenn mindestens 950 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren eine Fahrzeit von mehr als 40 Minuten zur nächstgelegenen Geburtsklinik haben müssten.

Ein Mann redet vor einer Menschenmenge


Der leitende Oberarzt Mohamed Koheil protestiert gegen die Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie am Klinikum Schwalmstadt
Bild © Isabell Kramer (hr)


Das sei nicht der Fall, so Federwisch. In Schwalmstadt und Umgebung seien nur 251 Frauen betroffen. Die umliegenden Kliniken in Fritzlar, Bad Hersfeld und vor allem Marburg könnten die Versorgung gewährleisten. Die drei Städte sind mit dem Auto in 30 bis 45 Minuten zu erreichen.

Notsituationen: „Da zählt jede Minute“

Für Oberarzt Mohamed Koheil reicht die Versorgung durch Kliniken im Umland dagegen nicht aus, vor allem nicht in Notsituationen. „Es gibt Patienten, die zu uns kommen, die wir sofort operieren“, sagt er. Da zähle jede Minute. „Wie viel Geld ist es wert, dass ein Kind gesund zur Welt kommt? Dass eine Frau gesund aus dem OP oder dem Kreißsaal kommt?“

Bei Helena, die vor sieben Wochen in Schwalmstadt entbunden hat, kam es auf jede Minute an. Bei ihr wurde ein Gebärmutterriss festgestellt. Dieser war zuhause passiert, aber erst im Krankenhaus bemerkt worden. „Der operierende Gynäkologe kam im Anschluss an den Not-Kaiserschnitt zu mir und hat gesagt: 30 Minuten länger und Ihr Sohn wäre nicht mehr – oder hätte Beeinträchtigungen.“

Die Pläne der Klinikleitung machen sie wütend. Sie habe das Gefühl, dass man als Frau nicht mehr so viel wert sei. „Wir reden über ein soziales System – da sollten eigentlich die Menschen an erster Stelle stehen“, sagt die 35-Jährige.

Immer weniger Geburtshilfe-Stationen in Hessen

Seit 2015 wurden in Hessen laut dem Gesundheitsministerium 14 Entbindungsstationen geschlossen, drei hessische Landkreise haben keine Geburtsklinik mehr. In 39 Kliniken finden aktuell noch Entbindungen statt. Auch in anderen Bundesländern schließen Krankenhäuser Stationen, oft auch Gynäkologie und Geburtshilfen, mit Verweis auf die Krankenhausreform des Bundes.

Ein häufiges Argument, das bei den Schließungen angeführt wird: Auch die Zahl der Entbindungen ist stark zurückgegangen. 2024 kamen in Hessen nach Angaben des Ministeriums gut 53.000 Babys zur Welt – so wenige wie zuletzt 2013. 2021 waren es noch mehr als 61.000 Geburten. Auch die Geschäftsleitung der Klinik in Schwalmstadt berichtet von sinkenden Geburtenzahlen. In den Jahren 2022 und 2023 sind dort demnach jeweils rund 500 Geburten betreut worden, in den vergangenen beiden Jahren nur noch 417 beziehungsweise 464 Geburten.

„Ein kommunikativ fatales Signal“

Für den parteilosen Bürgermeister Tobias Kreuter ist das aber kein Argument. „Eine Schließung einer Geburtshilfestation ist – gerade in der heutigen Zeit, in der wir einen rückläufigen Geburtentrend haben – ein kommunikativ fatales Signal an die Menschen in der Region“, teilte er in einer Stellungnahme mit. Aus diesem Blickwinkel sei die Entscheidung nicht nur nicht nachzuvollziehen, sondern mittel- bis langfristig wahrscheinlich sogar kontraproduktiv, fürchtet er.

Große Hoffnungen auf den Erhalt der Frauenklinik macht er sich aber nicht. „Ob es noch eine Aussicht gibt, die Geburtshilfestation über den 31.12.2026 hinaus zu betreiben, vermag ich nicht einzuschätzen.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/proteste-gegen-schliessung-der-geburtshilfe-in-schwalmstadt-v1,schwalmstadt-protest-gegen-schliessung-der-geburtshilfe-104.html

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