Im Rennen um den Titel „Exzellenz-Universität“ ging Hessen bislang leer aus. Doch jetzt ist die Allianz der Rhein-Main-Universitäten mit den Standorten Darmstadt, Frankfurt und Mainz zum Zug gekommen – davon profitiert die Spitzenforschung.

Drei Unis, ein Titel: Die Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz sind jetzt „exzellent“
Bild © picture alliance/dpa | Andreas Arnold
Im bundesweiten Wettbewerb um den offiziellen Rang einer Elite-Universität haben der Deutsche Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft am Freitag ihre Entscheidung bekannt gegeben. Erstmals geht der Titel „Exzellenzuniversität“ auch nach Hessen.
Ihn dürfen vom kommenden Jahr an die Mitglieder der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) tragen. In ihr haben sich die Technische Universität Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zusammengeschlossen.
Die Verleihung soll die weltweite Stellung deutscher Forschung stärken, in erster Linie über Fördergeld. Die RMU erhält zunächst für die kommenden sieben Jahre insgesamt 155 Millionen Euro.
Wissenschaftsminister: „Historischer Tag“
Nach der Verkündung der Entscheidung sprach Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) in Darmstadt von einem „historischen Tag“ und einem „großartigen Gemeinschaftserfolg von Politik und Wissenschaft“. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) nannte die Verleihung einen „Meilenstein“.
In der aktuellen Runde hatten sich insgesamt elf Universitäten und Universitätsverbünde wie die RMU beworben. Dazu zählte auch der mittelhessische Verbund der Universitäten in Gießen und Marburg. Dieser Zusammenschluss mit dem Namen „H-Core“ (Hessian Collaboration of Research Excellence) kam aber nicht zum Zug.
Länder arbeiteten zusammen
Für die Rhein-Main-Universitäten ist der Exzellenz-Status neben den Fördermitteln mit der Aussicht auf einen Zuwachs an Renommee und Anziehungskraft auf Spitzenforscher, Nachwuchswissenschaftler und Studenten. Die beteiligten Universitäten würden nun zum „internationalen Hotspot für Forschung und Innovation“, sagte Wissenschaftsminister Gremmels.
Der SPD-Politiker dankte den Universitäten für ihre offensichtlich überzeugenden Präsentationen. Er unterstrich aber auch, dass die enge politische Zusammenarbeit der beiden Länder Hessen und Rheinland-Pfalz zum Erfolg beigetragen habe.
Von der KI bis zum Teilchenbeschleuniger
Mit der RMU hat erstmals ein bundesländerübergreifender Zusammenschluss den begehrten Exzellenz-Titel erhalten. Die Allianz hat an ihren drei Einrichtungen insgesamt 1.500 Professuren und mehr als 90.000 Studierende. Sie war 2015 gegründet worden, um ihre Kompetenzen auf zentralen Gebieten wie Gesundheit, IT, Natur- und Gesellschaftswissenschaften zu bündeln.
Die Verleihung ist die zweite und abschließende Stufe eines Förderprogramm von Bund und Ländern, das zu 75 Prozent aus Berlin finanziert wird. In der ersten Stufe kamen Einrichtungen zum Zug, die nachweisen, dass sie auf großen Forschungsfeldern international wettbewerbsfähig sind.
Der RMU war dies 2026 mit fünf Sparten gelungen, den sogenannten Exzellenzclustern. Dazu zählt die Entwicklung einer neuen Generation von Systemen der Künstlichen Intelligenz in Darmstadt, die Erforschung der Rolle molekularbiologischer Prozesse bei Erkrankungen in Frankfurt und die Teilchenphysik mit dem Bau und Betrieb eines Teilchenbeschleunigers in Mainz.
Die Entscheidung über die Aufnahme in die Förderung traf die sogenannte Exzellenzkommission. Sie besteht aus internationalen Experten und den Wissenschaftsministern von Bund und Ländern.
Einsparungen des Landes treffen auch neue Exzellenz-Unis
Der Erfolg der RMU bei der Förderung durch die Exzellenzstrategie von Bund und Länder fällt in eine Zeit, in der schwarz-rote Landesregierungen sich wegen Einsparungen bei den Hochschulen in der Kritik steht. So soll Geld aus dem Bauprogramm HEUREKA, das bis 2031 eingeplant waren, bis 2036 gestreckt werden
Im laufenden Jahr mussten die hessischen Hochschulen bereits 30 Millionen Euro einsparen. Das traf auch die zwei zur RMU gehörenden Uni aus Hessen. In Darmstadt wurden zwei Institute geschlossen. An der Uni Frankfurt wurden für das bevorstehende Wintersemester 455 Studienplätze gestrichen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/uni-auszeichnung-hessen-bekommt-zum-ersten-mal-einen-exzellenz-titel-v2,exzellenz-uni-hessen-erfolg-100.html


