Auf der Frankfurter Buchmesse geht es immer um mehr als Literatur. Prominenz aus aller Welt diskutiert die gesellschaftlich-politischen Themen wie Demokratie und Meinungsfreiheit. Die Diskussionen auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat können Sie live bei uns verfolgen. Ein Thema am Mittwoch: die jüngsten Wahlerfolge der AfD. Ein weiteres: Geschlechterrollen.

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Auch wenn die Buchmesse-Tage Mittwoch und Donnerstag dem Fachpublikum vorbehalten sind: Sie können große Debatten ab 11 Uhr im Livestream der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat verfolgen. Schon am Mittwoch waren hier Promis zu Gast, wir haben einige Highlights zusammengetragen.
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00:59 Min.|Julia Hercka
Auf der Literaturbühne
So berichtete Bestseller-Autor Navid Kermani über seine Wahlheimat Köln. Der Schriftsteller hat bereits über 40 Bücher veröffentlicht, sein neuestes Buch „Köln: E Jeföhl“ ist in diesem Jahr erschienen.

Schriftsteller Navid Kermani auf der Lesebühne der Frankfurter Buchmesse.
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Mit Moderatorin Katty Salié sprach er über seine Liebe zu seiner Wahlheimat Köln und zum 1. FC Köln – und auch über seinen kritischen Blick auf die Stadt. Er kritisierte zum Beispiel den anhaltenden Kulturabbau.
„Ich bin ein Afro-Ossi“
Danach setzte sich der Journalist, Autor, Reporter und Podcaster Don Pablo Mulemba mit dem Ort seiner Kindheit auseinander: der brandenburgischen Provinz, wo er als Sohn eines angolanischen Vertragsarbeiters und einer Ostdeutschen immer zum Fremden gemacht wurde.
„Ich bin Pablo, ein ganz normaler Afro-Ossi“, stellte er sich selbst vor. Er wollte den Begriff etablieren und hoffe, dass der Begriff einen Platz im Duden finden wird. Mit Moderator Jo Schück sprach er über seinen im August erschienenen Debütroman „Hundeheimat. Der Osten, meine Familie und andere Rätsel.“

Journalist und Podcaster Don Pablo Mulemba spricht auf der Frankfurter Buchmesse über seinen Debütroman „Hundeheimat. Der Osten, meine Familie und andere Rätsel“.
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Der Blick auf die erstmalige Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt bereite ihm Bauchschmerzen. Er hoffe, dass Menschen in Deutschland nie wieder überlegen müssten, ob sie sicherer wären, wenn sie das Land verlassen.
Außerdem sprachen sie über Erinnerungskultur in Deutschland. Das Gedenken an Opfer von rechtsextremer Gewalt sei viel zu oft mit Scham behaftet, es sei den Menschen unangenehm, so Mulemba. „Demut wäre besser geeignet. Es braucht einen offenen Umgang damit.“
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00:47 Min.|hessenschau.de (Sonja Fouraté)
Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar auf der Literaturbühne
Am Mittag war die Trägerin des Deutschen Buchpreises, Shida Bazyar“}]}“>Trägerin des Deutschen Buchpreises, Shida Bazyar zu Gast auf der Literaturbühne. Den Preis erhielt sie für ihren Roman „Die Lücken“, in dem Bazyar die NS-Geschichte ihres Geburtsorts im Hunsrück verarbeitet.
Mit Moderatorin Cécile Schortmann sprach die Autorin über „Die Lücken“ und über eine ganze Generation, die oft von der Vergangenheit ihres eigenen Heimatortes nichts weiß. „Das Nicht-darüber-Sprechen, das Unter-den-Teppich-Kehren, das Lügen: Es hat funktioniert“, so Bazyar.

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar liest auf der Frankfurter Buchmesse aus ihrem Roman „Die Lücken“.
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In Hinblick auf die aktuelle politische Lage, gerade in Sachsen-Anhalt, sei der Bezug zur Gegenwart in ihrem Roman wichtig. „Wir müssen unbedingt die Vergangenheit anschauen, um die Gegenwart zu verstehen“, so Bazyar.
Sie plädierte dafür, dass wir uns unabhängig von Parteien langsam überlegen sollten, wer wirklich unsere Freunde sind. „Ich habe zum Beispiel nicht das Gefühl, dass Friedrich Merz mein Freund ist.“
Am Nachmittag: Rollenbilder und Geschlechterkampf
An Frauen werden weiter unmenschliche Anforderungen gestellt, und das auch noch im Jahr 2026: Diese Diagnose stellen die Autorinnen Alexandra Zykunov und Franca Cerutti am Nachmittag auf der Literaturbühne.
Cerutti riet, sich in die Rolle einer alten Frau zu versetzen und auf das eigene Leben zurückzublicken und sich zu fragen: Musste ich das alles wirklich machen? Job, Kinder, Haushalt, Sport, und dabei noch gut aussehen? „Wir Frauen sollten ganz viele Dinge einfach mal lassen“, sagte die Psychotherapeutin.

Franca Cerutti, Alexandra Zykunov und Jagoda Marinić
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Von 16 bis 16.30 Uhr stellte die Französin Gisèle Pelicot ihr Buch „Eine Hymne an das Leben“ vor. Sie wurde durch den Prozess gegen ihren Mann um sexuellen Missbrauch weltbekannt.
Im Gespräch mit Moderatorin Siham El-Maimouni erzählte Pelicot von der Zeit vor und während der Gerichtsverhandlungen und über ihre Entscheidung, den Prozess öffentlich auszutragen.
Die Vorstellung, alleine mit 50 Vergewaltigern im Gerichtssaal zu sitzen, habe Scham in ihr ausgelöst. Deshalb habe sie sich dazu entschieden, den Prozess der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Ich möchte unterstreichen, dass sich nie das Opfer schämen soll – sondern die Täter.“

Gisèle Pelicot spricht über ihre Autobiografie „Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln“ auf der Frankfurter Buchmesse.
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Sie habe sich fest vorgenommen, nicht diejenige zu sein, die den Blick senkt. „Und das sage ich zu allen Frauen, die vor mir sind: Sie müssen es wagen, das Wort zu ergreifen und darüber zu sprechen.“
Mediale Aufgeregtheit
Um mediale Aufgeregtheiten ging es danach: Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, und die Publizistin Saba-Nur Cheema sprachen über ihr Buch „Die Empörungsfalle“ und das Phänomen der permanenten medialen Aufgeregtheit.
Auf dem Messegelände
Demokratie unter Beschuss – dieses Thema zog sich durch viele Buchmesse-Veranstaltungen. Zum Auftakt der politischen Diskussionen auf der neuen „Dialogue Stage“ waren sich die Historikerinnen Christina Morina und Jill Lepore einig, dass die Demokratien in Deutschland und den USA gleichermaßen unter starkem Druck stehen.

Christina Morina, Jill Lepore und Thea Dorn diskutieren auf der Frankfurter Buchmesse über Demokratie und wie es um sie steht.
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Einer der Gründe sei die Unzufriedenheit der Bevölkerung darüber, dass Versprechen ebenjener Demokratien etwa auf ein besseres Leben nicht (mehr) eingehalten würden.
Die Reaktionen der Zivilgesellschaften sähen derweil unterschiedlich aus: In Deutschland sei eine gewisse Panik zu beobachten, auch eine gewisse Paralyse, urteilte Morina. In den USA würden weiter Wege gesucht, zu diskutieren, zu protestieren und politische Verantwortliche in die Pflicht zu nehmen.
Doch auch in den USA nehme die Furcht vor Repressionen zu, entgegnete Lepore: Ihre Studierenden würden aus Angst vor Überwachung nicht mehr auf die Straße gehen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/von-afro-ossi-bis-empoerungsfalle-das-war-die-frankfurter-buchmesse-am-mittwoch-v2,buchmesse-tipps-mittwoch-100.html

